Papst: „Habe nie an die bulgarische Spur beim Attentat vom 13. Mai 1981 geglaubt.“
Zu einem ökumenischen Durchbruch war es bei der 96. Auslandsreise von Papst Johannes Paul II. am Sonntag in Plowdiw gekommen. Bei der Feier in der Katholiken-Hochburg Bulgariens, bei der drei bulgarische Märtyrerpriester selig gesprochen wurden, war auch der orthodoxe Metropolit der Stadt, Erzbischof Arsenij, anwesend. Wegen der historisch engen Verbundenheit der bulgarischen Orthodoxie mit dem Moskauer Patriarchat gilt das als bemerkenswert. Noch am Freitag hatte der bulgarisch-orthodoxe Patriarch vom Sofia, Maksim, den Papst reserviert empfangen. 2.000 Kilometer östlich, in Baku, hatte der russisch-orthodoxe Bischof am Donnerstag den Gast zwar begrüßt, war aber dem Papstgottesdienst ferngeblieben Umso erfreuter zeigte sich Johannes Paul über die Geste Arsenijs. Als „Vorgeschmack der Freude der vollen Einheit, wenn es uns geschenkt sein wird, gemeinsam die Eucharistie zu feiern“, wertete der Papst dessen Erscheinen. Und unter dem Beifall der rund 50.000 Teilnehmer ehrte der Papst neben den katholischen auch die zahlreichen Märtyrer aus den Rängen der orthodoxen Kirche, die dem stalinistischen Terror zum Opfer gefallen waren.
Herzen gewonnen
Regierungschef Simeon Sakskoburgotski zeigte sich vor allem darüber erfreut, dass der Papst in einer Rede für Bulgarien einen Platz in Europa gefordert hatte. Er bezeichnete den Besuch als „Schub“ für die angestrebte Aufnahme seines Landes in die EU. Das Eis gebrochen hatte der Papst vor allem durch die überraschende „Generalabsolution“ an das bulgarische Volk im Zusammenhang mit dem Papstattentat: „Ich habe nie an die so genannte ,bulgarische Spur‘ geglaubt, wegen meines tiefen Respekts für das bulgarische Volk“, hatte der Papst gegenüber Staatspräsident Prawanow gesagt. Attentäter Ali Agca hatte in seinen ersten Aussagen den bulgarischen Geheimdienst schwer beschuldigt. Mit seinen interreligiösen Dialogangeboten hatte der Papst bereits zum Auftakt der fünftägigen Reise in Aserbaidschan Sympathien gewonnen. In der von kriegerischen Konflikten umgebenen Kaukasus-Republik beeindruckte vor allem sein dramatischer Friedensappell und der Einsatz für die Flüchtlinge.