Am 31. Mai beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft (WM). Die Fußballbegeisterung vor allem der männlichen Bevölkerung wird dann bis zum Endspiel am 30. Juni wohl für manche Konflikte sorgen. Fußball bedeutet eben vielen „die Welt“.Das gilt besonders für Kinder und Jugendliche in den armen Ländern des Südens. Sie träumen vom „Supertor“. In Ecuador, das heuer erstmals an einer Fußball-WM teilnehmen kann, haben Salesianer Don Boscos Fußball-Schulen mit dem Namen „Supertor“ – „Golaso“ ins Leben gerufen. Mit Fußballschuhen und -dressen spielen zu können, ist Straßenkindern Anreiz zu einem Leben mit geregeltem Tagesablauf. Auch in Mexiko führen die Salesianer 18 solche Jugend- und Sozialzentren.Während der Fußball-WM verlosen wir wöchentlich einen fair gehandelten Fußball. Die allgemeine Fußballbegeisterung kann unseren Blick auch auf die Umstände hinter der Faszination Fußball lenken!
Spielentscheidend ist das Supertor
Ecuador: Erstmalige WM-Teilnahme bestärkt Träume der Straßenkinder
Fußball ist mehr als nur ein Spiel: Für Straßenkinder gilt es als eine Lebensschule. Und in Ecuador besuchen schon über 600 Mädchen und Burschen diese Fußballschulen.
Wenn am 3. Juni das WM-Spiel Italien gegen Ecuador im japanischen Sapporo angepfiffen wird, dann ist es in Ecuador gerade erst 6.30 Uhr. Eigentlich ist das keine Zeit für Bolivar, um aufzustehen. Doch an diesem Montag wird der 14-Jährige kaum ausschlafen. Ist es doch das erste Spiel für die Nationalelf des Andenstaates bei einer Fußballweltmeisterschaft. Denn Bolivar, der bereits sein halbes Leben auf der Straße gelebt hat, ist – wie die meisten Ecuadorianer – begeisterter Fußballspieler. Der Spaß mit dem runden Leder zu kicken war es auch, der den Straßenjungen zu „Golaso“ geführt hat. Denn vom „Supertor“ träumen nicht nur Leute wie Bolivar. Das gleichnamige Projekt der Salesianer Don Boscos hilft ihnen den Traum umzusetzen und fördert gleichzeitig die Chancen zum Supertor im Leben. „Mit sieben hat mich mein Stiefvater mit einem Stock geschlagen. Da bin ich abgehauen. Seither lebe ich auf der Straße“, erzählt Bolivar. Über sein Leben meint er: „Die Straße ist ein hartes Pflaster. Es geht ums Überleben. Ich habe von anderen Straßenkindern gelernt zu stehlen und mit einem Messer zu kämpfen. Denn nur die Starken kommen durch.“ Und wie zum Beweis zeigt er die Narben seiner Brust, die von Messerschnitten zeugen.
Mit Teamgeist zum Sieg
Dass Kinder wie Bolivar oder Carlos Hanibal, den alle nur „Chuqui“ nennen, einem geregelten Tagesablauf oder dem Schulbesuch nichts abgewinnen können, das hat P. Ivano Zavallo oft genug erlebt. So rief der Ordensmann aus Italien die so genannte Fußballschule ins Leben. Richtige Dressen und die Chance, mit Fußballschuhen zu spielen, sind den Kindern von der Straße Anreiz zu kommen. Und weil kein Club sie aufnimmt, kommen sie gerne zum regelmäßigen Training. „So lernen sie ein anderes Leben kennen“, erklärt P. Ivano. „Es zählt nicht mehr das Recht des Stärkeren. Denn für den Sieg ist Teamgeist wichtig. Vor allem aber haben sie Erfolgserlebnisse. Sie stehen im Mittelpunkt und nicht nur am Rande.“ Und auf diese spielerische Art würden viele den Weg in die Schule oder Berufsausbildung leichter schaffen. Der Erfolgt gibt P. Ivano Recht. Nach drei Jahren sind bereits über 600 Burschen und Mädchen in den Fußballschulen von Quito, Esmeraldas und Santo Domingo. Und weitere sind geplant. Doch schon jetzt würde der Padre gerne noch mehr Kinder von der Straße mitspielen lassen. Die Salesianer Don Boscos setzen auch in anderen lateinamerikanischen Ländern auf Fußball. In Mexiko, das mit Ecuador in Gruppe G um den WM-Titel antritt, ist Tijuana Zentrum des salesianischen Fußballs. In den 18 Jugend- und Sozialzentren des Ordens in der Grenzstadt zu den USA gibt es 180 Fußballteams, die ihre eigenen Meisterschaften austragen.