Zu den beliebtesten Kirchenfesten gehört Fronleichnam. In seiner Geschichte war es allerdings auch eines der umstrittensten Feste.
Eine „Vision“ stand am Anfang des Fronleichnamsfestes. Im Jahr 1209 sah die Augustinernonne Juliane von Lüttich eine Vollmondscheibe mit einer dunklen Stelle. Man deutete die Vision als Hinweis, man müsse der Eucharistie ein besonderes Fest widmen. Papst Urban IV., er war einst Diakon in Lüttich, schrieb das Fest in der Folge für die ganze Kirche vor. Ein Wandel hatte sich in der Kirche vollzogen. Galten in den ersten tausend Jahren der Kirchengeschichte die Feier der Eucharistie selbst sowie die Gemeinschaft der dabei Versammelten als das entscheidende Ereignis, so konzentrierte sich die Aufmerksamkeit nun immer mehr auf die Hostie, in der Christus da wäre. Die Christen selbst wohnten dem Ereignis gewissermaßen nur mehr bei. Es war dies einer der Momente, die auf die Kritik durch die Reformation stießen. In einer Mischung aus alten Volksbräuchen und damals üblichen Flur-Umzügen hatte sich die Fronleichnamsprozession weiterentwickelt. In der Zeit der Gegenreformation wurde gerade diese Prozession zu einer Demonstra-tion des katholischen Glaubens gegen die Evangelischen. Diesen „kämpferischen“ As-pekt des Festes gilt es auch heute zu bedenken. Das Zweite Vatikanische Konzil hat hier einiges wieder zurechtgerückt, wenn es mit der Betonung der vollen Anwesenheit Christi in der Gemeinschaft der Gläubigen bei der Feier des Abendmahls auch dem Anliegen der evangelischen Christen Rechnung trägt. So liegt die Botschaft des Festes nicht mehr im Triumph gegen Andersgläubige oder gar gegen die „böse“ Welt. So wird als einer der Evangelientexte der Bericht von der Speisung der 5000 aus dem Lukas-Evangelium gelesen. Das Teilen steht im Zentrum. Christus schenkt sich in diesem Brot der Welt. Kirche ist nicht um ihrer eigenen Größe da, sondern um Menschen zu ihrer Größe zu helfen, die sie von Gott her haben. Unter diesem Gesichtspunkt hat Fronleichnam heute seinen Platz und Sinn im Kirchenjahr.