Über den Putz- und Kochfimmel und die Mühen erwachsen zu werden
Ausgabe: 2002/22
29.05.2002
- Elisabeth Leitner
Hinter die Märchen-Fassade blickt das Bühnenstück von Verena Koch: „Schneewittchen ist erwachsen“.
Der Märchenstoff ist bekannt. Schneewittchen fristet ihr Dasein hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Dass das Leben mit sieben kleinen Männern in der „Einschicht“ nicht ganz so lustig ist, wie uns das Märchen glauben machen will, davon erzählt Verena Kochs Theaterstück „Schneewittchen ist erwachsen“. Der Titel ist irreführend. Denn Schneewittchen vollzieht in diesem Bühnestück erst den mühsamen Weg des Erwachsenwerdens, es "ist" nicht schon, sondern wird erst erwachsen. Diesen etwas langatmigen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung vom braven angepassten Mädchen zur emanzipierten Frau kann das Publikum nun im Theater Eisenhand miterleben. Schneewittchen – dargestellt von Maxi Blaha – steht dabei nicht allein auf der Bühne: Die Landestheater-Schauspielerin und Autorin Verena Koch hat ihr einen Erzähler und einen Mann am Keybord zur Seite gestellt. Erzähler Sven-Christian Habich führt das Publikum gekonnt mit Passagen des Originaltextes, die von spontanen Gefühlswallungen unterbrochen werden, durch den Abend. Zahlreiche Witzchen, szenisch gut umgesetzt, sorgen für Lacher im Publikum, das sich bei dieser Uraufführung gut zu amüsieren scheint. Insgesamt aber erweckt das Stück von Verena Koch den Eindruck, dass hier ein alter Hut nicht unbedingt neu erzählt wurde. Dass „Schneewittchen“ von weiblichen und männlichen Theaterbesuchern unterschiedlich bewertet wird, könnte aber ein Hinweis dafür sein, dass die Autorin mit ihrer Persiflage zumindest den einen oder anderen Nagel auf den Kopf getroffen hat.
Karten und Aufführungstermine unter Tel. 0800/218 000 bzw. 0732/7611-400.