ZOE (LEBEN) – Modell-Schwangerenberatungsstelle wird zwei Jahre alt
Ausgabe: 2002/22, ZOE, Schwangere, Frauen, Hilfe;
29.05.2002
- Maria Haunschmidt
Margie, gerade 17 geworden, sollte Grund zur Freude haben – sie ist schwanger. Aber ... sie lässt den Kopf hängen, weiß nicht ein noch aus.
Mit dem Vater des Kindes verbindet sie eine kurze Bekanntschaft. „Du wirst dir doch deine Jugend nicht vertun!“, hat die Mutter gesagt. Margies innere Stimme sagt: Ich will dieses Kind und ich werde es lieben. Ihre Schritte leiten sie wie von selbst zu einer Adresse, die ihr eine Freundin gegeben hat: Zu „Zoe“ (Zoe = Leben) – einer Schwangerenberatungsstelle in der Linzer Innenstadt. Diese feiert in diesen Tagen ihren zweiten Geburtstag; seit einem Jahr wird sie als unabhängiger Verein geführt. Eine warme, liebevolle Atmo-sphäre empfängt Margie. Hierher kann sie ohne Voranmeldung kommen – zumindest eine geschulte Beraterin ist anwesend. Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern kommt für Miete und Betriebskosten der schönen Altbauwohnung auf. Allein im vergangenen April hat sich die Zahl derer, die die Beratung in einer Phase der Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit beanspruchten, verzehnfacht. „Vielfach durch Mundpropaganda“, freut sich die ehrenamt-liche Zoe-Leiterin Monika Kornfehl. „Die Schwangeren leiden heute weniger finanzielle Not, sondern an seelischen Nöten. Es fehlt oft an Verständnis und Hilfe“, weiß sie. Dennoch weisen manchmal schon einfache finanzielle Durchrechnungsbeispiele einen Ausweg. Die Lebensberaterin ist von den Schicksalen oft sehr berührt. Nicht nur in der Schwangerenberatung ist „Zoe“ tätig, es werden auch Frauen beraten, die sich vergeblich ein Kind wünschen. Auch eine Selbsthilfegruppe für Eltern vorgeburtlich verstorbener Kinder gibt es bei „Zoe“. Schulklassen kommen im Rahmen des Biologie-Unterrichtes, wobei auch die späteren Väter viele Fragen zum Thema Sexualität haben. Neu ist, dass per E-Mail Rat gegeben wird. Immer öfter stürzen auch die zunehmenden pränatalen Untersuchungen und die Prognose: „Das Kind wird behindert“, in tiefe Verzweiflung und lassen um Rat und Zuspruch anklopfen.
Auch fröhliche Frauen
Und ... es kommen auch fröhliche Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind und nichts falsch machen wollen. Nun möchten sie wissen: Wie soll ich mich ernähren, darf ich ein Glas Wein trinken ...? Und manche kommen später mit dem Baby einfach zum Wickeln vorbei oder schicken Dankschreiben mit der Botschaft: „Gut, dass es euch gibt!“ Inzwischen gilt die Stelle, in der nach christlich-ethischen Grundsätzen beraten wird und die zum Einstieg auch von der Aktion Leben finanziell unterstützt wurde, beim Ministerium als förderungswürdige Modell-Beratungsstelle.
Frauen erfahren Hilfe
Zum Thema
- Junges Mädchen (die Mutter hatte schon einen Abtreibungstermin vereinbart) hat nach dem Gespräch bei Zoe das Kind behalten. Sieht eine Aufgabe und Chance, mit und an diesem Kind zu wachsen und zu reifen. - 30-jährige Frau in liebevoller Partnerschaft hat wieder ein Kind nach der 30. Woche tot geboren. Sie holt sich Mut, nochmals eine Schwangerschaft zu wagen. - Eine 20-Jährige ist schwanger zum 2. Kind, erkundigt sich nach materiellen Möglichkeiten. Ein Finanzplan wird erstellt. - Eine Frau, die vom Kindesvater keinerlei Unterstützung erhielt und sich gegen ihr Kind entschied, fühlt sich nun als Mörderin, braucht dringend eine Ansprache. - Eine verzweifelte Mutter ist zum 3. Mal schwanger, wird vom Ehemann im Stich gelassen, erfährt Hilfe durch Lebensbegleitung und Haushaltsplan und Vermittlung einer Familienhelferin.