Die Geschichte ist paradox: Von Islamisten 1996 grausam ermordet wurden die sieben Trappistenmönche aus Alge– rien zu einem Zeichen der Versöhnung zwischen Christen und Muslimen. Ihre Botschaft ist heute aktueller denn je.
„Er hat ein Mönchtum ohne Schnörkel und barocke Zutaten gelebt. Seine klare Sicht über seine Aufgaben haben mich sehr beeindruckt.“ So beschreibt der Engelszeller Trappistenabt Marianus Hauseder seinen Ordensbruder Christian de Chergé. Dieser leitete als Prior ein Trappistenkloster in Algerien. Abgelegen im Atlasgebirge lebte die kleine, neunköpfige Mönchsgemeinschaft von den Erträgen ihrer Gärten, die sie gemeinsam mit den muslimischen Nachbarn bewirtschaftete.
Von Terror umgeben
Zu Beginn der neunziger Jahre versank Algerien im Terror der Islamisten und im Gegenterror des Miltärs. Als islamistische Gruppen alle Ausländer aufforderten das Land zu verlassen, entschieden sich die Mönche, die allesamt aus Frankreich stammten, zu bleiben. Die Bitte ihrer muslimsischen Nachbarn, das Kloster keinesfalls aufzugeben, hatte ihnen die Entscheidung erleichtert. Der große Respekt, den sich die Mönche wegen der einfachen und gläubigen Lebensweise erworben hatten, war ihr Schutz – bis sie in der Fastenzeit 1996 entführt werden. Einige Wochen später findet man ihre abgeschnittenen Köpfe. Zwei der neun Mönche sind durch Zufall den Entführern entgangen. Mit dem Tod der sieben Trappisten ist deren Geschichte nicht zu Ende. Die Bevölkerung Alge– riens war über den Mord aufgebracht. Ein Professor der Universität Algier meinte: „Eines Tages werden diese sieben Mönche von Christen und Mulismen und Juden als Heilige verehrt werden.“ Im Bewusstsein um ihre Gefährdung haben die Mönche mehrmals öffentlich betont, dass sie ihren Mördern vergeben. „Es geht darum zu vertrauen, dass das Wort der Vergebung alle Bosheit vertreiben kann“, so der Generalabt der Trappisten über die Bedeutung der sieben Mönche: „Die Martyrer der Liebe sind die wahren Friedenskünstler.“ Der amerikanische Autor John W. Kiser zeichnet spannend geschrieben und gründlich recherchiert das Geschick der Trappis-ten vom Atlasgebirge nach. Und er bettet ihr Leben in die Geschichte Algeriens ein – beginnend mit der Besatzung Frankreichs im Jahr 1830 bis zur aktuellen Situation, die wesentlich differenzierter ist, als sie in den Medien dargestellt wird. Breiten Raum widmet der Autor Christian de Chergé: Er war der geistige Kopf der Gemeinschaft. Jahrelang von den Mitbrüdern unverstanden haben schließlich die Mönche ihren Platz nicht neben, sondern bei den Muslimen Algeriens gefunden.
Das Testament
Das Testament des Priors Christian de Chergé zeugt von dem kühnen Brückenschlag zwischen Christen und Muslimen, der sein Leben bestimmt hat. Es ist das Zeugnis eines Mystikers: „Sicherlich wird mein Tod all jene in ihrer Sicht bestätigen, die mich als naiv oder idealistisch bezeichnet haben. Diesen Menschen sei gesagt, dass mein Tod meine brennende Neugier befriedigen wird. Dann werde ich – so Gott es will – die Kinder des Islam sehen können, so wie Er sie sieht, erstrahlend im Lobpreis Christi, teilhabend am Geschenk der Leidenschaft Got-tes und jenes Geistes, dessen geheime Freude es sein wird, inmitten unserer Unterschiede unsre gemeinsame Menschlichkeit hervortreten zu lassen.“