Die heutige Textstelle des Evangeliums wird häufig überschrieben mit „Die Berufung des Zöllners Matthäus“. Nur in diesem Evangelium wird der Beamte der Zollstation von Kafarnaum mit Matthäus identifiziert. Die Evangelisten Markus und Lukas nennen jenen Zöllner Levi. Was sind Zöllner? Zöllner waren sehr wohlhabende Leute. Aufgrund der willkürlichen Handhabung, so viel Geld einzutreiben, wie sie wollen, und aufgrund des Umganges mit den Heiden waren sie in den Augen der frommen Juden unrein und galten daher als Sünder. Jedoch wird in der Bibel mehrmals darauf hingewiesen, dass sich so ein Zöllner zu Jesus bekehrt hat. Viele von uns haben schon vom kleinen Zachäus gehört, den Jesus vom Baum herunterrief, weil er bei ihm zum Essen eingeladen werden wollte. So ein Zöllner kann also auch ein gutes Vorbild für die Umkehr zu Jesus sein. Hier ist es nicht anders. Matthäus wird von seinem Arbeitsplatz wegberufen. „Folge mir nach!“, sagt Jesus und lässt sich zum Essen einladen. Viele Zöllner und Sünder essen mit ihm zusammen. Später hören wir, beschimpfen die Pharisäer Jesus als „Fresser und Säufer, Freund der Zöllner und Sünder“ (Mt 11, 19). Wer sind die Pharisäer? Da keine einzige Schrift von den Pharisäern selbst erhalten ist, ist alles, was man heute über sie „weiß“, von Dritten über sie erzählt. Im Neuen Testament werden die Pharisäer (bedeutet „die Abgesonderten“) dargestellt in der Rolle der Gegner Jesu. Pharisäer werden hier identifiziert mit Heuchelei und Werkgerechtigkeit, der Vorstellung, durch äußere Erfüllung der Gesetze vor Gott bestehen zu können. Sicher wird es bei den Pharisäern, wie in allen Religionsgemeinschaften, auch Heuchler gegeben haben, keine Frage. Die Gruppe der Pharisäer hat sich z. B. große Verdienste um die Bewahrung des jüdischen Glaubens erworben. Ihre Interessen waren religiöser und nicht politischer Natur und sie waren, im Gegensatz zu anderen, der Gewalt eher abgeneigt. Jesus erkennt die Empörung unter den Pharisäern und reagiert: „Wer braucht den Arzt? Der Gesunde oder der Kranke?“ Jesus will zuallererst Barmherzigkeit, eine Barmherzigkeit allen Sündern gegenüber. Deshalb ist er in die Welt gekommen, um Kranke zu heilen und Sünder zu rufen. So ruft er Matthäus in seine Nachfolge. Die Kranken, die Schwachen, die Sünder – sie brauchen herzliches Erbarmen und helfende Liebe, dann werden sie alle geheilt. So spricht er uns alle an: „Auf, mir nach! Lasst Barmherzigkeit sprechen und liebt einander!“