Die „Ehre der Eltern“ ist der eigenständige Weg der Kinder
Ausgabe: 2002/23, Vater, Mutter, Kinder, Gebot;
05.06.2002
Die Antwort:
Als Johannes und Elisabeth ihre Vorstellungen von der Umgestaltung von Haus und Hof den Eltern mitteilten, war das Resultat mehr als eine Verstörung. Eines der Argumente der Eltern, die gegen die weit reichenden Umgestaltungspläne sind, war: „Wir haben uns ein ganzes Leben lang geplagt und investiert. Dafür müsstet ihr dankbar sein.“ Der Vater argumentierte sogar mit dem vierten Gebot. Besonders diese Worte machen nun vor allem Johannes Druck. Wie die Eltern des Johannes denken auch manch andere, die glauben, sie hätten so etwas wie einen Anspruch darauf, dass ihnen ihre Kinder vergelten, was sie für sie investiert haben – und das am besten in der Form, dass sie die Geschichte genau so fortschreiben, wie sie von ihnen begonnen wurde. Wenn zudem das vierte Gebot als Gehorsamsgebot ausgelegt wird, dann ist der Sinn auf jeden Fall verkannt. Im vierten Gebot geht es um die Ehre der Eltern, und diese ist der eigenständige Weg der Kinder, die ihnen wohl die Kostbarkeit des Lebens verdanken.Johannes und Elisabeth haben also noch viel mit ihren (Schwieger-)Eltern zu reden. Bisher ist es ihnen noch nicht gelungen, ihre Form, das Leben zu gestalten, überzeugend darzustellen. Möglicherweise haben sie auch noch zu wenig hingehört und Verständnis für den Schmerz der (Schwieger-)Eltern aufgebracht.