Immer mehr Männer möchten „alles richtig machen“ und es endlich wissen: Was ist dran am neuen Mann?Veranstaltungen zum Thema „Mann“ boomen. Als Männer-Referent und Vater hatte es Mag. Alois Giglleitner in den vergangenen Jahren mit vielen Männern zu tun, die sich ernsthaft mit ihrer Rolle auseinander setzten. Die Botschaft: Der neue Mann definiert sich nicht nur über den Beruf, sondern leistet auch einen wesentlichen Anteil an der Familien- und Beziehungsarbeit. „Neue Männer sind keine Fremden im eigenen Haus“, so Alois Giglleitner, der in Teilzeit Ausbildungsleiter für Theologiestudierende ist und nebenher Supervisor und Bio-Bauer. Die Kinder brauchen den anwesenden starken Vater als Wegbegleiter, Gegenpol, Reibebaum und als Vorbild. Ein Alarmzeichen sei es, wenn Kinder nicht einmal mehr fragen, wo der Papa ist, weil sie es gewohnt sind, dass dieser kaum da oder nicht störbar ist. Durch nebenberufliche Tätigkeiten verstärke sich eine solche Gefahr noch. Bei vielen Jüngeren rennt Giglleitner offene Türen ein. Sie packen im Haushalt mit an und finden es auch nicht unmännlich, weiche Seiten und Gefühle zu zeigen. Dennoch schaffen es die wenigsten Väter (beruflich) zurückzuschrauben und sich wirklich auf die Familie einzulassen, obwohl dies zum Glück des ganz(heitlich)en Mannes dazugehört. Weniger als zwei Prozent der Väter nehmen österreichweit die Karenzzeit in Anspruch. Das liegt nicht nur an persönlich tief eingeprägten traditionellen Rollenmustern, sondern auch an der Tatsache, dass Männer nach wie vor mehr verdienen. Auch in vielen Frauen steckt die Vorstellung, es sei ihre alleinige Aufgabe, für die Kinder zu sorgen. „Biologisch“ spricht aber nichts dagegen, dass Väter Ansprechpartner etwa bei Angst vor dem Zahnarzt, bei Schulproblemen oder der ersten Liebe sind.
Viele kleine Schritte
Großes Interesse am neuen positiven männlichen Selbstverständnis ortet der „Männer-Experte“ bei über 40-Jährigen, die in der Partnerschaft etwas verbessern möchten, wenn die Kinder aus dem Haus gehen. Oft beob-achtet er allerdings, dass Männer erst durch Scheidungserlebnisse umdenken lernen. Männer ab etwa 60, die mit dem Thema „Neuer Mann“ bei Männertagen konfrontiert werden, sind zwar offen für neue Ideen, rechtfertigen sich aber, dass es in ihrer beruflich aktiven Zeit von der Gesellschaft her noch eindeutigere Rollenzuweisungen gab und sie als Ernährer der Familie das Geld verdienen mussten. Umso erfreulicher ist es, dass sehr viele Senioren mit ihren Enkelkindern ganz neue Seiten an sich entdecken und dies sehr genießen – kleine, feine Schritte zu einer Veränderung.
Mann zwischen Beruf und Familie
Zur Sache
Mag. Alois Giglleitners Kinder sind zehn und zwölf Jahre alt. Als Vater versucht er selber den Spagat zwischen Beruf und Familie zu schaffen.
Als bewusster Teilzeit-Berufstätiger und Bio-Bauer hatte er viel Kontakt mit den Kindern, als sie klein waren. Gern denkt er daran zurück, dass er das Schöne unmittelbar miterlebte und nicht aus zweiter Hand erfahren musste. Allerdings ist seine Erfahrung auch: „Die Beziehung ,bröselt’ schnell, wenn man sie nicht ständig pflegt und immer wieder zurücksteckt, sondern anderen Dingen den Vorrang gibt!“ Da müsse „man/n“ sehr achtsam sein, sonst bekommt man vieles nicht mit, was in der Familie läuft.