Der Kefermarkter Flügelaltar in Farbe? A. Stifter hat sich dagegen gewehrt. Die Geschichte zeigt: Auch ein gotisches Juwel ist Veränderungen unterworfen.
Altarbilder wollen gesehen werden. Den Kefermarkter Flügelaltar sehen wir in einem doppelten Sinn durch die Augen Adalbert Stifters. In einem am 24. April 1853 vor dem Verwaltungsausschuss des Linzer Museums gehaltenen Vortrag würdigt er dessen „Einfachheit des Gesammteindruckes und Reichthum der Einzelheiten“ und rückt ihn damit erst wieder in die Aufmerksamkeit eines kunstinteressierten Publikums. Zum anderen war er maßgeblich an der 1852-1853 von Vater und Sohn Rint durchgeführten Restaurierung beteiligt. Diese bewahrte den Altar nicht nur vor dem Untergang, da er doch „durch Zeit und Barbarei viel gelitten“ hatte, sondern beraubte ihn auch seiner ursprünglich farbigen Fassung. Dem kunstsinnigen Dichter des 19. Jahrhunderts galt die farbige Ausführung als Barbarei späterer Jahrhunderte, sodass man „die Feinheit und Reinheit des Schnittes“ nicht mehr sehen konnte. Der nun grafische Charakter des Schnitzwerkes kommt unseren Erwartungen an die Gotik entgegen, stammt aber nicht aus den Jahren der Entstehungszeit nach 1490. Denn – bis auf wenige Ausnahmen – war die farbige Ausführung von Skulpturen damals die Regel. Die Schnitzereien wurden anfänglich nicht für so kostbar gehalten. Vielmehr beeindruckte deren malerische und goldstrahlende Erscheinung. Wenn man sich den Kefermarkter Altar auch nicht so bunt vorstellen darf wie etwa die volkstümlichen Altäre des nahe gelegenen Waldburg, so sind doch eine Teilbemalung, sparsame Vergoldung und akzentuierendes Schwarz und Weiß sowie Rot für Augen und Lippen anzunehmen.
Flügelaltare als Ausdruck des Selbstbewusstseins
Flügelaltäre standen im Zentrum des Gemeindelebens. Während Seitenaltäre oft auch private Stifter hatten, waren die Hochaltäre meist Aufträge der Gemeinden und Ausdruck ihres Selbstbewusstseins. Im Fall von Kefermarkt war es Freiherr Christoph von Zelking, Besitzer des landesfürstlichen Lehens von Weinberg, der nicht nur im Jahre 1473 als Erfüllung eines Gelübdes die Kirche zunächst als Wallfahrtskirche stiftete, sondern kurz vor seinem Tod auch den Altar in Auftrag gab.
Eigenartigerweise ist nichts über den Meister und die Werkstätte überliefert, sodass die kunsthistorische Forschung auf Vergleiche und Rückschlüsse angewiesen ist. Diese weisen sehr überzeugend auf die Werkstätte von Martin Kriechbaum, die ihren Sitz u. a. in Passau hatte.br> Mit den Schreinfiguren des Petrus, des Wolfgang und des Christophorus charakterisierte der Künstler drei unterschiedliche Persönlichkeiten. Der Kirchengründer besticht durch Standfestigkeit. Der Kirchenpatron, der Züge des Weihbischofs der Diözese Passau trägt, vermittelt überlegene Gelassenheit, während sich im jugendlichen Christophorus der Stifter ein Denkmal setzte. Unzählige Details lassen immer wieder Neues entdecken: eine weitere Figur, ein Schmuckelement, eine Nuance im Gesichtsausdruck. Wenn der Altar auch in seinem Gesamteindruck besticht, so erlaubt(e) er doch jedem Beter und jeder Betrachterin den ganz persönlichen Gang durch diese „Kleinarchitektur“. Monika Leisch-Kiesl, Prof. für Kunstwissenschaft an der Kath.-Theol. Privatuni
Die Ausstellung „Gotische Flügelaltäre“ wird am 9. Juni im Schlossmuseum Freistadt eröffnet und dokumentiert das Schicksal gotischer Flügelaltäre. Tel. 07942/72 274