Ein Duft, ein Lachen, ein Bild führt uns zurück in die Vergangenheit
Ausgabe: 2002/25
18.06.2002
Sommer. Ferien. Heuernte. Plötzlich ist sie da – die Erinnerung an damals, ausgelöst durch einen Blick, einen Geruch, ein Motiv. Bilder von Landschaften und Menschen erwachen in uns.
Erinnerungen führen zurück. Einer Erinnerung begegnen wir auch in den Karrenbildern von Siegfried Anzinger. Er zeigt uns einen Karren, der ihm aus frühester Kindheit in Weyer, Oberösterreich, vertraut ist. Nicht nur einmal, sondern in einer Serie von Bildern, nähert er sich dem Karren, eingebunden in die Landschaft, oft mit einem Tier im Umfeld.
Das Bild erfordert einen genauen Blick. Der Karren bleibt ein Karren, aber für den Betrachter, die Betrachterin ist der Versuch sichtbar, diesen an seine Grenzen zu führen, ihn auf-zu-lösen, ihm die Form zu nehmen. Zugleich ist aber der Malduktus auffällig: Pinselstriche – manchmal zarte Farbe oder auch kräftige Farben, den Malgrund ganz bedeckend – bauen ein Bild.
An der Malerei interessiert Anzinger am meisten der Grauwert der Farbe: Unter Rotlicht betrachtet erscheinen alle Farben in Grauabstufungen. Das Motiv scheint langsam von hinten nach vorne zu kommen.
Für den Künstler ist bei diesem Bild am wichtigsten: Karren – Mensch – Tier – Himmel – Erde – Raum – Jahreszeit – Weite – Geruch – umgesetzt mit Farbe, Licht, Aufteilung, Tiefe und Raum. Diese Karrenbilder sind inspiriert durch eine Romanlektüre. Zunächst entstand nur eine Zeichnung. Erst nach einer abgebrochenen Serie von Stilleben greift er das Motiv des Karren wieder auf. Neben der Malerei erarbeitet er Skulpturen, die ihrerseits auf die Bilder Auswirkungen haben können.In einem Gespräch mit Friedhelm Mennekes äußert sich Anzinger auch zur Betrachtung seiner Bilder. Er wünscht sich, dass seine Bilder hoffentlich beim Betrachter viele eigene Bilder erzeugen.
Beate Gschwendtner, „kunstbaukasten“ der Diözese Linz