Das vorliegende Sonntagsevangelium wartet heute mit einem klaren Auftrag Jesu an seine Apostel auf. Jesus ist ein Realist und kein Träumer. Von Anfang an gibt er zu Bedenken, dass hartnäckiger Widerstand und beinharte Verfolgung auf die Verkünder seiner Lehre warten werden. Er selbst musste fehlende Zustimmung und Anfeindungen gegenüber seinem eigenen Leib ertragen. Darauf möchte er seine Jünger vorbereiten. Es wird keinen Triumphzug geben, wo ihnen zugejubelt wird. Sie werden mit ihrer Botschaft nicht überall Anklang finden. Eher wird in dieser harten, unsicheren Zeit der Weiterbestand dieser jungen Gemeinschaft in Frage gestellt. Die Argumentation Jesu endet aber nicht in einem Jammern und Klagen, sondern er rüttelt seine Freunde auf. Der Lehrmeister hat für sie ein bezeichnendes Wort parat: „Fürchtet euch nicht!“ Dreimal sagt Jesus heute diesen Spruch und verleiht ihm durch die Wiederholung einen unerhörten Nachdruck. Das „Fürchtet euch nicht!“ ist hier nicht nur als Auftrag oder Mahnung, sondern vielmehr als Trost und Zuspruch zu sehen. Eine Bestärkung für solch ein schwieriges Unternehmen wie Verkündigung ist von entscheidender Bedeutung. Fast hat es den Anschein, dass Jesus im Vorhinein mit Durchhalteparolen operiert. Doch sein Anliegen liegt offen auf der Hand. Er will die Seinen auf das wahre Leben als Verkündigende vorbereiten. Furcht und Angst sind für diesen Auftrag sicher hemmend. Mut und Gottvertrauen, das sind die wahren Haltungen.Eine Frage ergibt sich daraus: Gilt der dreimalige Zuspruch auch für uns? Das „Fürchtet euch nicht!“ hat auch für uns uneingeschränkte Geltung! Wer sein Leben für Jesu Botschaft einsetzt, braucht sich nicht zu fürchten. Bei uns sind sogar die Haare am Kopf gezählt. Der Vater weiß um jedes kleinste Detail! Nichts passiert ohne den Willen des Vaters, der uns leitet und führt. Ein Vergleich mit Spatzen wird noch angeführt. Spatzen sind nur ein paar Pfennige – wörtlich: ein As – wert. Ein As ist die zweitkleinste römische Münze und entspricht 1/16 Denar. Trotz des geringen materiellen Wertes kümmert sich Gott um die Spatzen. Sie stehen unter seinem Schutz. Um wie viel mehr wird sich Gott der Menschen annehmen, die seine Botschaft verkünden, die doch viel wertvoller sind als viele – sagen wir besser – als alle Spatzen. Ohne Menschenfurcht soll der Verkündigende den Weg der Nachfolge Jesu gehen, Gott wird ihm beistehen. Es gilt der Zuspruch: „Fürchtet euch also nicht!“ (Mt 10, 31)