Kathi wird immer stiller und Florian ist laut und aggressiv. Beide Kinder leiden auf ihre Art: Kathis Vater hatte einen tödlichen Unfall, Florians Eltern lassen sich scheiden.
„Kinder, die Schwierigkeiten machen, sind Seismographen ihrer Umwelt“, so die Referentin für Ehe- und Familienbildung in der Diözese Linz, Mag. Andrea Holzer-Breid, selber dreifache Mutter. Die Zunahme von Scheidungen konfrontiert auch Kindergärtnerinnen und Lehrer/innen immer wieder mit Kindern, die in massiven Krisen stecken. Oft wird etwa die Tatsache einer Trennung lange verheimlicht: Auffälliges Verhalten wird dadurch möglicherweise falsch interpretiert.
In einem Kindergarten bei Linz „machte man Nägel mit Köpfen“: Da binnen einiger Monate mehrere Kinder von Scheidungen betroffen waren, wurde Mag. Holzer-Breid zu einem Elternabend eingeladen. Das Interesse war groß.
– „Familie ist nie perfekt!“, so die Familienbildnerin. Es ist keine Schande, Beratung in Anspruch zu nehmen. Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen sind Schlüsselstellen in der Vermittlung von professionellen Hilfsangeboten. Eltern sind nämlich meist selber in der für sie schwierigen Phase nicht im Stande die Kinder in ihrer Not zu stützen. – Trennungs- und Scheidungsbegleitung wird sowohl für getrennte Eltern als auch für Kinder angeboten, z. B. durch das Projekt Rainbows. Es fängt auch Kinder auf, die einen Elternteil durch Tod verloren haben. – Hilfreich sind bei Trennungs-erlebnissen Kinderbücher.
Kinder reagieren je nach Alter unterschiedlich, wenn sie erfahren, dass sich die Eltern trennen. In Erstreaktionen zeigen sie oft gar keine Betroffenheit. Allerdings kann es dann in Folge zu Einschlafschwierigkeiten kommen, zu Bettnässen, zum Aufschrecken in der Nacht oder vermindertem Interesse an Kontakten. Größere Kinder fühlen sich oft mitschuldig. Ausdruck innerer Not sind häufig Schulprobleme.
Wie damit umgehen?
Pubertierenden wird die notwendige Ablösung erschwert und das Bild von lebbarer Partnerschaft gerät ins Wanken. Ab etwa 14 Jahren entwickeln Kinder aber die Fähigkeit der realistischen Einschätzung der Situation. Alle Kinder brauchen jetzt Sicherheiten in unsicherer Zeit. Man muss den Kindern gegen-über ehrlich sein, klare Infos über die Tatsache der Trennung geben und das Gefühl vermitteln, dass es auch im neuen Familiensystem mit einem neuen Rahmen und neuen Ritualen gut weitergeht. Der Kontakt zum getrennt lebenden Elternteil soll ermöglicht und dieser nicht schlecht gemacht werden, auch wenn es noch so schwer fällt.
Als ein Bub z. B. von seiner Mutter hörte, es hätte auch schöne Zeiten mit dem Vater gegeben, wurde er gelöster und weniger aggressiv.
Zum Thema:
Bilderbücher zum Thema Trennung– Nele Maar: Papa wohnt jetzt in der Heinrichstraße, Atlantis Kinderbuch im Verlag pro juventute, Zürich, Euro 13,15. – Maria Martinez: Die zweigeteilte Anna. Reden wir darüber, Euro 10,56, Picus-Verlag. – Ann de Bode: Du bleibst immer mein Papa, Euro 13,30, Edition Fuchs und Hase. – Wolfgang Bittner: Wochenende bei Papa, Euro 10,54, Kerle im Verlag Herder. – Claire Masurel: Ich hab’ euch beide lieb, Euro 12,06, Brunnen-Verlag.