Hanni schaut sich in den Spiegel und sieht an ihr ein paar Kilo zu viel und jede Menge Lachfalten im Gesicht. Trotz modischem Shiftkleid und blondierten Strähnen – sieht man’s: Sie ist nicht mehr 40 ... Die Zeit verging schnell, viel zu schnell. „Bist auch schon im Club der Fünfziger?“, hat sie jemand gefragt. Es sollte ein Spaß sein, aber Hanni hat gequält gelächelt. „20 Jahre noch, dann bin ich 70!“, sagt sie sich. In dem Alter ist die Großmutter ... nein daran will sie noch nicht denken, aber machmal kommen solche Gedanken von selber.
Ein junger Kollege meinte charmant, sie sehe gut aus – für ihr Alter. Ja, eben. Den Zusatz hätt’ er sich sparen können ... Hanni bemerkt an untrüglichen kleinen Zeichen selber, dass sie älter wird – als sie beim Bergaufgehen spürt, dass ihr die Luft ausgeht, als ihr auffällt, dass der Nussbaum, den sie selber gepflanzt hat, so groß geworden ist und daran, dass die Kollegin weniger als halb so alt ist wie sie.
Ach was! Sie atmet tief durch und freut sich: Sie fühlt sich fit, ist guter Dinge, neugierig, weltoffen und fröhlich. Bis jetzt war das Leben so spannend, das muss nicht anders werden. Altern und Altsein ist ein Teil des Lebens und von heute auf morgen geht’s auch nicht. Gut Ding braucht Weile, 50 ist erst die Hälfte von 100.