Frauenkirche und Männerkirche – kein Gegensatz, sondern ein gutes Miteinander. Deutlich wird es am Peter- und Paulsfest (29. Juni) sowie bei „Mariä Heimsuchung“ (2. Juli).
Sie haben die Welt bereist – Petrus und Paulus. Eine Schifffahrt war damals riskant, der Weg über Land gefährlich und kräfteraubend. Petrus und Paulus haben mit den anderen Aposteln Jesus in den Städten der damaligen Welt gepredigt. Fern der Heimat haben sie gerade dort den Tod gefunden, wo sich Jahrhunderte später das Zentrum der römischen Kirche befinden sollte. In Rom. Die Feste der kommenden Woche berichten noch von einem anderen Weg: Maria eilt ins Bergland und besucht Elisabeth – ihre Verwandte. Das Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli) hat dieses Ereignis zum Inhalt. Während sich Petrus und Paulus auf ihren weiten Reisen um Fragen der Lehre und der „Kirchendisziplin“ herumzuschlagen hatten, wird aus dem Besuch Marias bei Elisabeth einer der berührendsten und zugleich revolutionärsten Texte der Heiligen Schrift überliefert: Das Magnifikat – der Lobgesang Marias. Von der Seligkeit im Glauben erzählt das Gebet, vom Erbarmen Gottes und zugleich vom machtvollen Gott, der die Mächtigen vom Throne stürzt und die Hochmütigen zerstreut. Die Hungernden beschenkt er, die Reichen lässt er leer ausgehen. Aus der Tiefe der vom Geist Gottes Berührten kommen Sätze mit Sprengkraft. Bis heute richten sich Menschen an diesen Worten auf – und sie machen stutzig, drängen zur Bekehrung aus jeder Form von Überheblichkeit. Manche werden in der Unterschiedlichkeit von Petrus und Paulus auf der einen und von Maria und Elisabeth auf der anderen Seite auch einen charakteristischen Unterschied von Männerkirche und Frauenkirche erkennen. Dann allerdings ist es gut, dass es diese Unterschiede gibt. Petrus und Paulus haben für die Breitenwirkung der Gottesbotschaft gesorgt – mit all ihrer Körperkraft, mit ihrer Überzeugung und mit ihren Argumenten.Maria und Elisabeth stehen für die Tiefenwirkung. Sie brauchen nicht den langen Weg zu gehen. Es geschieht in der eigenen Verwandtschaft, in der Intimität einer Schwangerschaft, im Berührtsein von Gottes Geist.