Die Zukunft der Altenseelsorge – eine Herausforderung für die Kirche
Ausgabe: 2002/26, Seelsorge,
25.06.2002
- Maria Haunschmidt
Der Anteil der alten und pflegebedürftigen Menschen wächst rapide. „Hingeschaut“ auf die Alten und Gebrechlichen, die fernab von trendigem Lifestyle leben, hat die junge Theologiestudentin Birgit Brunner.
Ihre Diplomarbeit zur „vierten Lebensphase“ war die Grundlage für eine Studie, in Auftrag gegeben vom Referat für Altenpastoral der Diözese Linz. „Dieser Lebensphase stehen viele in Ratlosigkeitkeit gegenüber!“, so der Leiter des Referates, Mag. Rupert Aschauer Die Studie dient als Ansatz für Veränderungen in der Altenarbeit. Exemplarisch wurde die Situation der älteren Menschen im Bezirk Perg erhoben.
Dieser Bezirk bot sich an, da er einerseits in der Nähe des Zentralraumes liegt, andererseits ein großes ländliches Hinterland hat. Neben üblichen Angeboten – von Lang- und Kurzzeitpflege bis Essen auf Rädern – nimmt er eine Pionierrolle beim betreuten Wohnen am Bauernhof ein. Es wurden auch 15 Personen persönlich interviewt.
Insgesamt kam eine verschämte Situation der Armut und Not in umfassendem Sinn zu Tage: Viele alte Menschen leiden unter Einsamkeit, an Depressionen und an Ängsten, und sie wünschen sich wertschätzende Begleitung, auch in den für sie sehr wichtigen Sinn- und Glaubensfragen am Ende des Lebens. Mit unmittelbaren Bezugspersonen werden solche Fragen kaum angesprochen bzw. sind diese meistens auch überfordert. Für Dr. Hermann Deisenberger, Referent für pastorale Berufe in der Diözese Linz, zeigt sich deutlich: „Die Religiosität und Spiritualität der alten Menschen ist enorm!“ Die Gemeinde und die Kirche würden spirituell ein Stück verarmen, wenn sie die alten Menschen nicht auch in ihrer Spiritualität vermehrt wahrnehmen. Um den Herausforderungen gewachsen zu sein, sind neue Initiativen in der seelsorglichen Altenarbeit zu setzen. Derzeit wird am Land der Bereich Pflegebedürftige und pflegende Angehörige vielfach von den Pfarre nebenbei mitbetreut, und Ehrenamtliche sind oft alleingelassen.
Visionen für die Seelsorge
Zu neuen Planstellen fehlt das Geld. Die Vision: Pflegende hauptamtliche Mitarbeiter/innen sollen in Zukunft einen Schwerpunkt in die Altenpastoral legen, wozu sie eine spezielle Ausbildung brauchen, und pastorale Mitarbeiter/innen sollen zusätzlich qualifiziert werden. Konkret ist an ein Praktikumskonzept in Alten- und Pflegeheimen für Theologiestudent/innen gedacht.
Zur Zeit gibt es in der Diözese 30 ehrenamtliche Altenseelsorger/innen, 95 Prozent sind Frauen, zum Teil handelt es sich um geistliche Schwestern. Vom Referat Altenpastoral wird alle zwei Jahre eine Ausbildung zu ehrenamtlichen Alten- und Krankenhausseelsorger/innen angeboten.
Zum Thema
Was alte Menschen fühlen
– Eine alte Frau im Interview: Ich sag Ihnen eins: Altwerden ist nicht schön, weil alt und gesund sind nur wenige. Wehwechen kommen immer, je älter man wird, umso mehr. Ich denk mir alle Tage: Wozu lebt man überhaupt noch? Es ist nicht leicht. Wenn man alt wird, ist man nicht mehr so akzeptiert als wie als Junger, so lange man noch helfen kann und was leisten. So ist man ja praktisch nur eine Belastung.
– Wie geht es dir? Diese Frage stellen die Menschen immer. Diese Frage kann ich nicht beantworten, denn der, den Ihr fragt, der frühere Hans, den gibt es nicht mehr. Ich bin ein anderer Mensch geworden, ich muss anders leben und ich fühle und denke anders ...
Aus einemder letzten Briefe von Pfarrer Hans Innerlohinger nach einem Schlaganfall.
An der Ausbildung zu ehrenamtlichen Altenseelsorger/innen Interessierte können sich im Altenreferat der Diözese melden: Tel. 0732/76 10-3531. Auch die Studie „Die vierte Lebensphase“, Aufgaben und Herausforderungen zukünftiger Altenpastoral“ kann hier bestellt werden.