Kunst von „Nichtkünstlern“, Außenseitern, Behinderten, Einzelgängern
Ausgabe: 2002/26, Nichtkünstler, Einzelgänger, Außenseiter, Behinderten, Kunst, Prof. Arnulf Rainer
25.06.2002
- Elisabeth Leitner
Durchschnittlich drei Prozent der Bevölkerung weisen eine künstlerische Begabung auf. Das gilt für alle Menschen, quer durch alle Schichten, egal, wie sie leben.
Prof. Arnulf Rainer beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit der Kunst „kultureller Outsider“. Ihn interessieren Werke von Menschen, die abseits des Kunstbetriebs stehen: Einzelgänger, die sich im eigenen Kämmerlein unbemerkt künstlerisch betätigen. Menschen mit psychischer oder geistiger Behinderung, die in oder außerhalb einer Institution leben.
Während die Werke der stillen, verborgenen Künstler/innen naturgemäß schwerer aufzuspüren sind, ist bei Ausstellungen von Menschen mit Behinderungen bereits eine inflationäre Entwicklung festzustellen, so Prof. Rainer. „... denn ausgestellt und darüber publiziert wird heute genug. So viel, dass die die Ausstellungen der Bildnerei Behinderter ein nach unten nivellierendes Maß angenommen haben, sodass auch jene drei Prozent, die in jedem Bevölkerungsquerschnitt eine diesbezügliche Begabung aufweisen, (...) nicht mehr sichtbar sind“, erklärt Rainer in seiner Funktion als Kurator der Ausstellung „... nicht Künstler (Der nahe Blick)“.
Für diese Ausstellung hat Rainer Werke von „Nichtkünstlern“ ausgewählt, die im Dorf in Altenhof, im Diakoniewerk Gallneukirchen, im Institut Hartheim und bei „pro mente“ tätig sind. Kritierien für die Auswahl waren gestalterische Energie und individueller Einfallsreichstum der Künstler/innen. Rainer hofft, „dass einiges davon für immer in unserer künstlerischen Bilderwelt haften bleibt.“ Ein zur Ausstellung erscheinender Katalog stellt die präsentierten Werke und die Künstler mit einer kurzen Biographie vor.
Die Ausstellung „... nicht Künstler (Der nahe Blick)“ ist bis 26. Juli im OÖ. Kunstverein, Ursulinenhof, zu sehen.