Der Oberösterreicher P. José Hehenberger: Gott und den Menschen nahe
Ausgabe: 2002/27
02.07.2002
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Todesdrohungen, Bombenanschläge – dass P. José Hehenberger nicht von Angst zermürbt seinen Einsatz für die Armen Brasiliens aufgegeben hat, ist mit menschlichen Kategorien nicht zu fassen.
Wer dem 61-jährigen Zisterziensermönch begegnet, ist beeindruckt von seiner Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit. Dass dieser schmächtige Mann allmächtige Großgrundbesitzer in die Schranken weisen kann, will so gar nicht zum äußeren Erscheinungsbild passen. Von seinem ersten Seelsorgeeinsatz im Jahr 1970 an stellte sich P. José auf die Seite der Landlosen Brasiliens. Kein Wirkungsort Hehenbergers, an dem die Mächtigen nicht aufschrieen, weil sie ihren Machenschaften nicht mehr unbehelligt nachgehen konnten. So auch in seiner jetzigen Stadtrandpfarre Jacobina.
Eine Woche hat ihn dort auf Initiative der Aktion „Sei So Frei“ ein ORF-Kamerateam begleitet. In faszinierender Ehrlichkeit und Herzlichkeit hat er Gäste aus Linz zu den Brennpunkten seines Wirkens geführt: Zu den Hütten der Landlosen, zum Grab von Jailton de Olivera Bispo, der im November 2001 wegen seines Einsatzes für Gerechtigkeit erschossen wurde, in die Kirche der „Mutter Gottes von der immerwährenden Hilfe“, die von den Einflußreichen der Pfarre zurückgegeben werden musste, und in das Kurhaus seiner Pfarre. Dort werden mit der Naturheilkunde große Heilungserfolge erzielt. Was immer auch um P. José herum passiert, der Mensch, mit dem er gerade zu tun hat, hat für ihn Vorrang – ohne Wenn und Aber. Da muss selbst das Kamerateam warten.
Die Nähe zu Menschen ist seine Stärke. Und seine Nähe zu Gott. Für P. José ist der Glaube keine blutleere Formel, sondern Realität: „In der innersten Einsamkeit und in den größten sozialen Konflikten sind wir immer ganz nah bei Gott“. Glaube heißt „in die Schule der Liebe Gottes zu gehen“.
Wenn P. José die Christen seines Landes charakterisiert, dann beschreibt er auch treffend sich selbst: Der gläubige Mensch Brasiliens ist trotz aller Armut und Not ein froher Mensch.
Mitte September 2002 wird in der ORF -Religionssendung „Kreuz und Quer“ der Beitrag über P. José Hehenbergesendet, den das Kamerateam aus Linz gedreht hat. Die KIZ wird rechtzeitig auf diese spannende Reportage aufmerksam machen.