Wenn das Heimweh plagt und nagt – was lässt sich tun?
Ausgabe: 2002/27, Heimweh, Ferien, Problem;
02.07.2002
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Heimweh ist ein Problem, das Kindern die schönsten Ferien vermiesen kann – Tröstungsversuche helfen nicht immer.
Das Zusammensein mit Gleichaltrigen fördert die Selbstständigkeit, bringt wichtige soziale Erfahrungen mit sich und kommt der Abenteuerlust entgegen. Das Kind wächst ein Stück über sich hinaus, wenn es einmal unabhängig von den Erwachsenen verreist. Sensible Kinder oder solche, die noch sehr an der Mutter hängen, sind aber heimwehgefährdet: Sie werden aus der vertrauten Umgebung gerissen und empfinden die Trennung als schmerzhaft. Meistens kommt das Verlassenheitssyndrom in ruhigen Augenblicken, vor allem abends im Bett. Oft haben Kinder Ängste, weil daheim etwas ihrer „Kontrolle“ entgeht – sie haben feine Sensoren! – oder weil sie meinen, etwas zu versäumen.„Heimwehkrankheit sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da das Kind dann keinen Spaß hat, sehr leidet und Ängste aufbaut!“, meint die Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Karin Remsing. Die Organisationsreferentin der Kath. Jungschar der Diözese Linz, Barbara Rösslhumer erzählt, dass das Thema Heimweh bei Schulungen für Lagerleiter/innen immer wieder zur Sprache kommt.
- Heimwehkranke Kinder brauchen besondere Zuwendung. Bei der Jungschar werden sie oft im Küchenbetrieb „aufgefangen“. Hier wird ihnen liebevolles Augenmerk geschenkt und sie werden mit Heimweh-Tee oder -Tabletten (Traubenzucker) getröstet. - Ein Kind, das ohne Familie wegfährt, zum Beispiel auf Ferienlager, sollte idealerweise mindestens neun Jahre alt sein. Manchmal fühlen sich freilich auch Achtjährige robust genug. - Wichtig ist, dass das Kind fortfahren will und nicht „verschickt“ oder weggeschickt wird, damit die Eltern ihre Ruhe haben. - Eine kleine „Einstimmung“ und Vorübung kann das Übernachten bei Verwandten sein. - Bettnässende Kinder fürchten sich, verachtet oder verspottet zu werden. Es ist empfehlenswert, dass die Eltern vorher mit den Betreuer/innen das Problem ansprechen. - Auch Eltern müssen lernen, das Kind loszulassen und ihm etwas zuzutrauen. Manche Kinder sind nach Erfahrung von Karin Remsing durch überängstliche Eltern blockiert. Vorgespräche über das Reiseziel sowie gemeinsame „Bilder“, wie es sein wird und was die Eltern in der Zwischenzeit machen werden, beruhigen und ermutigen, ebenso Sätze wie: Genieße es . . . dann erzählst du uns alles, wir sind schon neugierig . . . wir holen dich ganz sicher ab . . . du kannst anrufen. Wenn alle Tröstungs- und Ablenkungsversuche nichts nützen und das Kind nur mehr jammert „Ich will heim!“, dann plädiert Barbara Rösslhumer fürs Heimfahren, denn: „Nötigen soll man ein Kind keinesfalls!“
Als ich einmal Heimweh hatte
- Verena: In der Nacht habe ich geweint, weil mir die Mama so abgangen ist. Ich konnte nicht einschlafen. - Patrick: Ich hatte große Angst, dass es Mama nicht gut geht. - Christina: Einmal hatte ich Heimweh. Ich war bis Mitternacht bei einer Freundin und es war keine Mutter da. - Manuela: Ich war mit der Klasse fort und vor Heimweh so verzweifelt, dass ich mitten in der Nacht zur Frau Lehrer gegangen bin und gefragt habe, ob ich mich zu ihr ins Bett legen darf. Sie hat mir etwas vorgelesen, bis ich eingeschlafen bin. - Elena: Ich wurde so spät abgeholt, dass ich ganz verzagt wurde. Seither habe ich gleich Heimweh, wenn ich länger weg bin. - Lukas: Auf der Landschulwoche habe ich Heimweh gehabt und viel geweint, weil mir die Familie so gefehlt hat. Jeden Tag habe ich daheim angerufen. Weil sie mir am Telefon gut zugeredet haben, bin ich geblieben. Mit der Familie fahre ich gern weg.