Ein Stück über die Liebe oder ... wie Zukunftspläne von Eltern scheitern
Ausgabe: 2002/27, Sommertheater, Leopoldschlag
02.07.2002
- Elisabeth Leitner
Sommertheater ist lustig, leicht und locker. Nicht so in Leopoldschlag: Dort wagt man sich mit heiklen Themen auf die Bühne. Das Publikum kommt „trotzdem“.
Ausländer, Alkoholismus, Nazizeit – das waren bislang die unbequemen Themen der Sommertheatertage. Heuer steht ein Stück über die Liebe am Programm, ein Stück gegen Ausgrenzung und Intoleranz. Zum vierten Mal erlebt Leopoldschlag einen Theatersommer mit Uraufführungen oberösterreichischer Autoren. Erstmals konnte eine Frau für die Grenzlandbühne verpflichtet werden. Maria Hauser aus Bad Leonfelden hat ihren Roman „Im Himmel kein Platz“ für die Bühne adaptiert. Mit Spannung erwartet Hauser, die 1999 den Solidaritätspreis der Kirchenzeitung erhielt, die Premiere.
Sie führt in „Im Himmel kein Platz?“ die Situation homosexuell orientierter Menschen anhand eines Einzelschicksals vor Augen. Karli, der Sohn eines Unternehmer-Ehepaars ist schon als Kind „Der Chef in der Wiege“. Die von den Eltern vorgezeichneten Pfade werden von „Karli“ gehorsam und zufriedenstellend absolviert. Bis der zukünftige Firmenbesitzer bemerkt, dass er anders denkt und empfindet als seine Freunde. Karli beginnt ein Doppelleben zu führen. Er kann den Wahnsinn nicht stoppen, steht am Podest seiner Vollkommenheit, ohne zu sich selber stehen zu können. „Mit diesem Stück soll nicht bloß gezeigt werden, wie furchtbar die Gesellschaft ist. Es geht auch darum die eigene Verantwortung zu sehen, die man für sein Leben hat“, erklärt Regisseurin Heidelinde Leutgöb.
Leopoldschlag ist während der Spielzeit besonders bel(i)ebt. Die Schauspieler/innen aus Wien (Gottfried Neuner) und Linz schlagen für drei Wochen ihr Lager im Ort auf. Die heimische Theatergruppe ist in die Produktion integriert. Die Probenarbeiten sind bereits im Gange, am 25. Juli ist Premiere (20 Uhr).