Vorschlag von FPÖ-Klubchef Westenthaler wird von den Hilfsorganisationen vehement abgelehnt.
„Es ist Unakzeptabel und ganz einfach beschämend“, meint Caritas-Koordinator Friedrich Altenburg zum jüngsten Vorschlag von Peter Westenthaler. Der FPÖ-Klubobmann war in einem ORF-Interview dafür eingetreten, die für Auslandskatastrophen oder Entwicklungshilfe zur Verfügung stehenden Geldmittel nun den Hochwasseropfern zur Verfügung zu stellen. „Österreich hat jahrelang im Ausland Hilfe geleistet, jetzt herrscht aber Not im eigenen Land“, argumentierte Westenthaler.
„Wenn ein Land wie Österreich, das in der Liste der am besten entwickelten Länder ganz oben rangiert, zur Lösung seiner Katastrophe die Entwicklungshilfe streichen will, dann ist das äußerst beschämend“, erklärt Altenburg gegenüber der Kirchenzeitung.
„Wir müssen alles tun, um den Opfern der verheerenden Hochwasserkatastrophe zu helfen“, sagt auch Elfriede Schachner von AGEZ, dem Dachverband von 29 Entwicklungsorganisationen in Österreich. „Doch wir wehren uns dagegen, das Leid der Menschen in den ärmsten Ländern der Welt gegen das Leid der Menschen im eigenen Land aufzurechnen. Um helfen zu können, darf dabei anderen Notleidenden, die ein Leben in struktureller Armut fristen, nicht die Unterstützung entzogen werden“, so Schachner gegenüber der Kirchenzeitung.
Es gehe, so die AGEZ-Geschäftsführerin, darum, Lösungen zu finden, die nicht den Schwächsten angelastet werden. Darüber hinaus sind seit Jahren Österreichs öffentliche Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit deutlich unter dem Durchschnitt der EU. „Eine weitere Kürzung hätte für Tausende Arme und Hungernde in den ärmsten Ländern der Welt katastrophale Auswirkungen“, erklärt Elfriede Schachner.
Hintergrund:
Klimaschutz in der Kirche stärken
„Wir müssen die Flutkatastrophe als Anlass nehmen, alle Warnungen der Klima- und Umweltexperten ernst zu nehmen und unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen“, sagt Isolde Schönstein. Deshalb tritt die Vorsitzende der ARGE Schöpfungsverantwortung für die rasche Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen auch in der katholischen Kirche Österreichs ein. Die ARGE Schöpfungsverantwortung ruft zu einer gesamtösterreichischen Initiative auf, um neue Handlungsrahmen zur Umsetzung der Schöpfungsverantwortung im kirchlichen Alltag zu erstellen. Denn beispielhaft für das bisherige Vorgehen sei, so Isolde Schönstein:
– Die Reaktion auf die österreichweite Kampagne „Die Kirche auf dem Weg zur nachhaltigen Energieversorgung“ ist bisher sehr bescheiden. Obwohl für entsprechende Maßnahmen staatliche Förderungen von bis zu 30 Prozent möglich sind. – Die ARGE Schöpfungsverantwortung musste die Begleitung von Pfarrgemeinden einstellen, weil die Bischofskonferenz dafür kein Geld mehr bereitstellt. – Der 1. September findet als „Schöpfungstag“ im Bewusstsein der katholischen Kirche kaum Beachtung. http://utanet.at/argeschoepfung