Caritas-Koordinator Altenburg: Langer Atem für die Hilfe ist auch notwendig
Ausgabe: 2002/34
21.08.2002
- Walter Achleitner
Am Wochenende wurden bereits die ersten Soforthilfen ausgezahlt. In dieser Woche fallen Entscheidungen zur Hilfe für den Wiederaufbau.
„Bereits am Wochenende ist in den Pfarren die Soforthilfe ausgezahlt worden“, berichtet Friedrich Altenburg. „Die 70 Euro für jeden Erwachsenen und 50 Euro pro Kind im Haushalt, der vom Hochwasser betroffen ist, sind eine erste Überbrückungshilfe“, erklärt der Koordinator der österreichweiten Caritas-Hilfe. 100.000 Euro kommen dafür aus dem ORF-Spendenkonto, weitere 640.000 Euro hat die Caritas zugesagt.
Diese „rasche und unbürokratische Hilfe“, so Altenburg, sei vor allem vorgesehen zur Hilfe sozial schwacher Familien beim Wiederaufbau oder bei der Sanierung ihrer beschädigten Häuser und Wohnungen. Insbesondere sollen Alleinerzieherinnen, Familien mit mehreren Kindern und alte Menschen unterstützt werden. Altenburg: „Denn die Hilfe aus dem Katastrophenfonds kann für Familien, die ihr ganzes Hab und Gut verloren haben, das nicht abdecken. Hier wollen wir zusätzlich helfen.“
Bereits in dieser Woche fallen erste Entscheidungen, wie Projekte zum Wiederaufbau aus den ORF-Spenden finanziert werden können. Alleine am „Aktionstag“ des ORF wurden am vergangenen Samstag dafür 16,6 Mill. Euro gespendet und von der Bundesregierung verdoppelt.
Doch neben der raschen Hilfe macht Friedrich Altenburg auf ein Zweites aufmerksam: „Als Helfer brauchen wir einen langen Atem. Noch sind die dramatischen Bilder im Gedächtnis und viele Betroffene stehen unter enormem psychischem Stress. Schwierig wird es erst, wenn der erste Dreck weg ist und sich das wahre Ausmaß der Katastrophe offenbart. Dann wird es wichtig sein, dass die Caritas nicht nur mit Geld weiterhelfen kann. Dann geht es vielfach darum, wie man wieder das Leben auf die Reihe bringt“, meint der Katastrophenexperte.
Einstweilen wird die Caritas aber auch Freiwillige vermitteln, die beim Aufräumen helfen. Organisiert werden soll die Hilfe in den betroffenen Diözesen vor allem ganz unten, von der lokalen Pfarrcaritas. Hat diese nicht mehr Erfahrung im Sammeln für Auslandskatastrophen als im Umsetzen mehrstelliger Euro-Projekte? Auch darauf bereitet sich die Caritas vor. Nächste Woche werden Pläne zur Weiterbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter für die Hilfe nach der Jahrhundert-Flut ausgearbeitet.
Joachim Reinelt, Bischof der von der Elbe besonders stark überfluteten Stadt Dresden, fordert von der Bundesregierung in Berlin mehr Hilfe. Die bislang zugesagten Bundesmittel seien viel zu gering. Dadurch könne man „mit Sicherheit nicht ein Zehntel der Zerstörung beseitigen“. Wo die Flut am stärksten gewütet habe, müsse die nach der Wende geleistete Aufbauarbeit „mindestens zum Teil wieder neu anfangen“. Reinelt, der die Caritas-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz leitet, verlangte Hilfen vor allem für die Familien. „Sie werden die Schäden bei weitem nicht aus eigenen Kräften beheben können“, betonte der Bischof. Die Elbe war in Dresden um 63 cm höher als bei der „sächsischen Sintflut“ von 1845.
Tschechien
Zu den besonders betroffenen Gebieten zählen die Diözesen Prag und Budweis. Dort sind ebenso wie in Pilsen und Leitmeritz Caritas-Teams aus Olmütz und Königgrätz eingesetzt, die 1997 vom Hochwasser besonders betroffen waren. Noch am Wochenende mussten die Helfer Menschen aus Einrichtungen wie Altenheimen evakuieren. Zwar sind die finanziellen Folgen noch nicht abzuschätzen. Dennoch geht die Caritas von immens hohen Folgekosten aus. Verschärft wird die Situation, weil die wenigsten Hochwasseropfer über finanzielle Rücklagen verfügen.
Osteuropa
Für Überschwemmungsgebiete in Moldawien, Rumänien und an der südrussischen Schwarzmeerküste hat die deutsche Caritas Nothilfepakete und Baumaterial im Wert von 200.000 Euro bereitgestellt.