Beim Wein würde man sagen, der Hektoliter-Ertrag ist gering, die Qualität mancher Spitzenweine aber besonders groß. Für den heurigen Spielejahrgang gilt Ähnliches. Wir servieren Kostproben dieser edlen Tropfen, pardon: Spiele!
Den deutschen Preis „Spiel des Jahres“ heimste „Villa Paletti“, ein originelles Geschicklichkeits-Bauspiel ab. Es punktete wahrscheinlich mit seiner Einfachheit. So musste sich „Puerto Rico“, der Favorit für viele Spiele-Freaks, mit dem Platz dahinter begnügen. In Österreich gibt es seit 2001 einen eigenen Preis – „Spiel der Spiele“. Das in der letzten Nummer vorgestellte Spiel „Pueblo“ konnte ihn für sich erringen. Weitere hervorgehobene Spiele sind unter anderem „Trans America“, „Kupferkessel CO.“, „Magellan“ und „San Gimignano“. In diese Reihe mit Lorbeer bekränzter Spiele gehören auch „Goldland“, das schon etwas länger auf dem Markt angebotene „Carolus Magnus“, „Royal Turf“ und „Siedler“-Neuheiten. Wenn Sie sich nicht von einer längeren Spielanleitung abschrecken lassen, ist „Puerto Rico“ der heißeste Tipp des Jahrgangs. Kaum ein Spielekritiker, der nicht die Höchstnote für dieses Spiel zücken würde. Die Spieler besiedeln Puerto Rico. Dabei haben sie meist nicht ganz freiwillig wechselnde Rollen wahrzunehmen (Siedler, die Land bebauen; Baumeister, die Gebäude errichten, Händler, die Waren verkaufen . . . ). Die Rolleninhaber verfolgen unterschiedliche Interessen, was bei der grundsätzlichen Knappheit an Waren, Geld, Schiffen, Platz zum Lagern von Waren etc. dicke Striche durch die Rechnung machen kann. Das Spiel ist ein „Hammer“, im Gourmet-Jargon müsste man sagen: Beeren-Auslese!Mit knappem Regelwerk kommt „Carolus Magnus“ aus, ebenfalls ein Entwicklungsspiel, angesiedelt zur Zeit Kaiser Karl des Großen. Die Spieler versuchen, in möglichst vielen der 15 Provinzen die Oberhand zu gewinnen. Auch hier liegt die Würze des Spiels im Konflikt Knappheit und Konkurrenz: So sollte man von vielen der fünf Adelsfamilien die noch dazu labile Gunst im zur rechten Zeit haben, mehrheitlicher Gunstbesitzer sein, aber die andern wollen das Gleiche!„San Gimignano“ versetzt uns in die mittelalterliche Toskana. Wir bauen Geschlechtertürme (original Ankersteine) und haben uns an klare Bauregeln zu halten, die – wieder gilt ein Knappheitsgebot – die Aufgabe, viele Türme zu bauen, nicht leicht macht. Spannend ist auch „Trans America“. Quer durch Amerika legen Bahnpioniere Schienen, um so ihre fünf (geheim gezogenen) Zielorte als erste anfahren zu können. Sie dürfen auch das Schienennetz der anderen benutzen.Das ‚Spielekonsortium‘ „Die Siedler von Catan“ wartet mit Neuigkeiten auf: „Travel-Box“ ist ein ‚Reisesiedler‘, „Troja & Die Große Mauer“ heißen neue historische Szenarien.Bei „Magellan“ sind die Spieler Könige, die die Seewege-Pioniere auf Erkundungen schicken. Für Magellan, Vasco da Gama, Kolumbus . . . setzen sie viel Geld aufs Spiel, um sie in den Dienst zu nehmen. Die Kapitäne haben unterschiedliche Vorzüge und Nachteile und sind nicht unbedingt treu. Der Spielwitz des Pferdewettrennens „Royal Turf“ (in kleiner Verpackung) liegt darin, dass die Spieler den Zieleinlauf vorhersagen müssen. Warum also nicht das Pferd begünstigen, auf das man selbst gesetzt hat? Vielleicht, weil ein Kontrahent schon mit einem ungünstigen Zug dreingepfuscht hat.
Hinweise
- Puerto Rico, Ravensburger (alea), Andreas Seyfarth, 3-5 Spieler. - Pueblo, Ravensburger, M. Kiesling und W. Kramer, 2-4. - Trans America, Winning Moves, Franz-Benno Delonge, 2-6 - San Gimignano, Piatnik, Duilio Carpitella, 2-4,. - Magellan, Hans im Glück, Tom Lehmann, 3-6. - Carolus Magnus, Winning Moves, Leo Colovini, 2-4 - Royal Turf, Ravensburger (alea), Reiner Knizia, 2-6 - Siedler, Kosmos, Klaus Teuber, Travel-Box, 2-4, Troja . . ., 4 od. 6