Vieles kann ich ertragen. Die meisten beschwerlichen Dinge duld ich mit ruhigem Mut, wie es ein Gott mir gebeut. Wenige jedoch sind mir wie Gift und Schlange zuwider Viere: Rauch des Tabaks, Wanzen und Knoblauch und Ý.“ (Johann Wolfgang Goethe) Was Goethe am Christentum massiv stört, ist das „leidige Marterholz“. Möchten wir da dem Dichter nicht am liebsten lebhaft zustimmen? Immerhin: Wir sind in guter Gesellschaft! Petrus fuhr auf, als Jesus von Leid und Kreuz zu reden begann. Petrus hatte sich eben erst in seiner Entscheidung zu Jesus bestätigt gefunden: Nun würde alles gut werden! Es wird einen Aufbruch im Volk geben, und Gott wird seine Verheißungen endgültig erfüllen! Was Jesus jetzt von Leiden, Kreuz und Tod redete, das brachte ihn in Fahrt. Er nahm Jesus beiseite und machte ihm Vorwürfe! So fahren wir alle auf – oder zusammen –, wenn es ans Eingemachte geht. Wenn plötzlich in Frage gestellt ist, was wir mühsam aufgebaut haben – bezüglich Beziehungen, Vorstellungen, Besitz. Wenn schlagartig nichts mehr gilt, was wir als wohl erworbenes Recht empfinden, als unser Eigentum; was wir für Gottes Geschenk und Wille halten. Wir stellen uns zum Beispiel vor, was aus unseren Kindern werden wird, werden soll – dank der guten Ausbildung, die ihnen zuteil wurde. Und dann kommt es ganz anders . . . Oder: Wir haben gerackert, gespart: große Wohnung, neue Küche; endlich Zeit zum Leben! Und dann: Unfall, Arbeitslosigkeit . . . vielleicht Herzinfarkt. Wohlverstanden: Jesus hat das „leidige Marterholz“ nicht gesucht. Weil es ihm um das Leben ging, konnte er weder zur Gewalt greifen noch feige davonlaufen. Sein Tod war das Äußerste an Offenheit und Hingabe an das Leben. Jesus mutet auch seinen Nachfolgern zu, dass sie ihre Pläne „durchkreuzen“ lassen. Nicht aus Lust am Leid, sondern damit mehr wächst. Er will uns in die Haltung einüben, die er zeitlebens praktiziert hat: Was will der Gott des Lebens? Welche Einstellungen oder Besitztümer durchkreuzen Lebensrechte, Lebens-Chancen anderer? Was kann ich tun oder lassen, um Gerechtigkeit zu fördern? Petrus ließ sich von Jesus die Leviten lesen: Zurück! Hinter mir hergegangen! Du hast noch nicht kapiert! Petrus ist fähig geworden, umzukehren, loszulassen. Sein ganzes Leben hat er von Jesus auf den Kopf stellen lassen. Loslassen , umkehren wie Petrus – um Leben zu gewinnen. Darum für kommende Woche eine Notiz an den Spiegel: Wo verweigere ich mich? Was ist mir „wie Gift und Schlange zuwider“? Dort liegt die nächste Lebens-Chance.