In Floris Klasse ist ein Neuer, ein Bub aus Ruanda, so braun wie Schokolade. Adrien – so heißt er – wohnt mit seiner Mutter im Flüchtlingsheim. „Der ist ganz schön blöd! Er kann nicht einmal Deutsch!“, sagt Andi zu Simon, böse und laut, sodass es Adrien hört. „Dafür kann er französisch!“, verteidigt Flori den Neuen, und ein wenig Bewunderung schwingt in seiner Stimme mit. Andi und Simon beeindruckt das wenig. Sie spotten hinter Adrien her: „Uah, uah!“Flori, der in der selben Bankreihe wie Adrien sitzt, bemerkt, dass aus den dunklen Augen des kleinen Afrikaners dicke Tränen auf das Heft tropfen. Daheim beim Mittagessen erzählt Flori von Adrien, dass er sekkiert wird, und auch davon, dass Adrien nicht einmal weiß, ob sein Vater noch lebt. „Der Arme!“, sagt die Mutter voll Anteilnahme“. Und Sarah meint: „Die sind so gemein, die Buben aus deiner Klasse. Ich möchte nicht als einzige Weiße in eine neue Schule gehen müssen, wo ich keinen kenne und niemanden habe, der zu mir hält!“ Flori schaut einen Moment lang nachdenklich drein, dann sagt er energisch: „Adrien hat aber jemanden, der zu ihm hält, er hat jetzt mich!“ Voller Vorfreude fügt er hinzu: „Morgen zeige ich ihm meine Playstation und dann lerne ich ihm viele deutsche Worte und er soll sie mir auf Französisch sagen!“ „Super!“ sagt Sarah. „ Mir kann er in meinem Atlas zeigen, wo er früher gelebt hat.“ Nun sind schon alle sehr gespannt auf Adrien aus Afrika, den Flori zum Freund haben möchte. Ab morgen.