Die Konzentrationslager Mauthausen und Gusen, das Schloss Hartheim sowie St. Radegund, die Heimat Franz Jägerstätters, sind drei Brennpunkte, in denen sich die Geschehnisse der NS-Zeit in Oberösterreich bündeln. Aus historischer Sicht wurde über diese Stätten bereits eine Fülle von Material veröffentlicht. Das soeben erschienene Buch „Ge-Denken“ versucht die Ereignisse nun theologisch zu deuten. Kein einfaches Unterfangen für die Theologen Gottfried Bachl, Alfons Riedl und Manfred Scheuer. Scheuer: „Die Theologie muss auch in diesen Situationen Gott zur Sprache bringen. Außerdem braucht es die Theologie, damit die Vergangenheit nicht zum Nährboden für Rache und neue Konflikte wird.“ Dass Franz Jägerstätter bis heute Reibebaum und Inspiration für viele Menschen geblieben ist, zeigt Erna Putz, eine „Praktikerin des Gedenkens“, in ihrem Beitrag auf. Der Künstler Herbert Friedl stellt die Neugestaltung der Euthansie-Gedenkstätte im Schloss Hartheim vor. Unter dem Aspekt der Wirkungsgeschichte stehen auch die historisch orientierten Artikel von Siegi Witzany-Durda (KZ Gusen I, II und III) und von Florian Zehenthofer (Hartheim). Die Leser/innen erwartet keine einfache Lektüre, aber wer sich auf die Überlegungen der Autor/innen einlässt, kommt zu den letzten Fragen des Menschseins: nach dem Wert und Unwert des Lebens. Und zur Frage nach Gott und dem Bösen.
Manfed Scheuer (Hg.), Ge-denken, Verlag Wagner, 207 Seiten, E 13,70.