Den Marienfeiertag am 8. Dezember gibt es, weil Österreich ihn wollte
Ausgabe: 2002/49, Marienfeiertag, Maria, Empfängnis, Leitl, Kirche
03.12.2002
- Matthäus Fellinger
Der 8. Dezember fällt heuer auf einen Sonntag. „Sonntagsruhe“ gibt es für die fast jährliche Debatte um ein Offenhalten der Geschäfte trotzdem nicht.
Bereits im Sommer begann die jährliche Diskussion um den 8. Dezember als arbeitsfreien Tag. Der Präsident der Bundeswirtschaftskammer Dr. Christoph Leitl hatte in der Kirchenzeitung vom 8. August einen Tausch 8. Dezember gegen Karfreitag vorgeschlagen: „Erkennen wir doch die Kraft des Faktischen an und machen aus dem 8. Dezember einen Werktag.“ Der Vorschlag hatte eine breite Diskussion zur Folge. Generalvikar Mag. Josef Ahammer verwies auf die große Bedeutung des Marienfeiertags gerade für Oberösterreich mit dem Mariä-Empfängnis-Dom in Linz. Ein Aufheben des Feiertages hieße, die eigene Geschichte zu vergessen. Eine Telefonaktion der Kirchenzeitung ließ insgesamt 2.100 Leser/innen zum Hörer greifen: 465 Anrufer/innen konnten sich einen Feiertagstausch vorstellen, 1.663 waren dagegen. Über Wochen hin bestimmte das Thema die Leserbrief-Seite.Dr. Leitl wollte seinen Vorstoß nicht als Angriff auf die Marienfrömmigkeit verstanden wissen. Ein angekündigtes Gespräch mit der Kirchenleitung zu dieser Frage hat bislang noch nicht stattgefunden. In einem Brief an den Salzburger Erzbischof Dr. Georg Eder unterstreicht jedoch Leitl die Verbindung Marias mit dem Karfreitag: „Wo ist Maria berührender als Mutter, die unter dem Kreuz ihres Sohnes steht und sein Leiden und Sterben mitverfolgen muss?“
Nicht nur religiöse Motive sprechen für den Feiertag
Dass der 8. Dezember beispielsweise im katholischen Italien kein gesetzlicher Feiertag ist, wird immer wieder als Argument für ein Abschaffen des Feiertages gebraucht. Der Vorschlag, den Feiertag auf einen Wochenrandtag – etwa auf einen Montag – zu verlegen, wird auch von der Wirtschaftskammer nicht verfolgt. Kirchlich und von Seiten der Gewerkschaften wird weniger die religiöse Begründung für den Mareinfeiertag herausgehoben. Es geht dort stark um Ruhe und um Besinnung in einer sehr hektischen Zeit. Diözesanbischof Maximilian Aichern sieht im 8. Dezember einen „typisch österreichischen“ Feiertag, der vor Jahrhunderten eingeführt, von den Nationalsozialisten abgeschafft und durch einen breiten Wunsch der Bevölkerung vor nahezu 50 Jahren wieder eingeführt wurde, nicht allein um den religiösen Charakter des Marienfestes. „Es geht auch um Lebensqualität, um Menschlichkeit in unserem Land“, hatte Aichern zum 8. Dezember 2001 betont. Es sei ein „bedenkliches Zeichen“, wenn dem Marienfeiertag der Boden entzogen werde. Am heurigen 8. Dezember wird es in den Geschäften freilich im Großen und Ganzen ruhig sein. Auch in Städten mit alten Marktrechten wird dies eingehalten. In Bad Ischl allerdings wird der traditionelle mehrtägige Markttag mit dem Kirtag auch am Sonntag gehalten werden. Pfarrer Mag. Johann Hammerl will freilich nicht viel Aufhebens um diese Ischler Tradition machen. Es soll jeder für sich selber sein Verhalten bedenken. Die Zeit, auch den Advent, bewusst zu gestalten, ist ihm ein Anliegen.
Wie es zum Marienfest kam
Zum Thema
Der 8. Dezember als kirchlicher Feiertag beruht auf zwei jungen „Dogmen“ der Katholischen Kirche. Im Jahr 1854 hat Papst Pius IX. das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Marias verkündet. Erst im Jahr 1950 wurde die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel dogmatisch festgelegt. Der volle Name des Festes bringt dies zum Ausdruck: „Fest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“. In Österreich und Bayern ist das Fest mit einem gesetzlichen Feiertag verbunden.Das schon im 7. Jahrhundert bekannte Fest wurde unter Papst Sixtus IV. als Fest Mariä Empfängnis 1476 offiziell im Kirchenkalender verankert.