Als der neue Linzer Bischof Johannes Gföllner seinen Heimatort Waizenkirchen besuchen wollte, war die Pfarre in Verlegenheit: Wie sollte die Kirche geschmückt werden? Da trat der Voglhuber in Stillfüssing auf den Plan, fuhr nach Linz und holte die von der Bischofsweihe übrig gebliebenen Blumenkränze. Nicht nur solche Anekdoten, sondern wichtige pfarrliche Ereignisse und mancher Blick auf die weltgeschichtliche Entwicklung finden sich in den Pfarrchroniken wieder. Je nachdem, was der Chronist vor 200 oder 20 Jahren für wichtig erachtet hat. Den Waizenkirchnern ermöglicht der Heimatforscher August Scheiterbauer in einer Pfarrblattserie einen Einblick in die Pfarrchronik. „Die Idee entstand zusammen mit dem Herausgeber des Pfarrblattes“, erzählt Scheiterbauer. Mittlerweile ist er bei Folge 29 angelangt (Jahre 1914 und 1915). Der Pfarrchronist überliefert auch viel Weltgeschichtliches. So entstehen erkennbare Verbindungen zwischen dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und den Auswirkungen auf die Pfarre.
Schon im November 1914 trafen Verwundete und Flüchtlinge in Waizenkirchen ein. Ein polnischer Flüchtling übte seinen Arztberuf im Ort aus, weil der ansässige Arzt sich in russischer Gefangenschaft befand. Im Mai wurden die ersten Brotkarten von der Gemeinde verteilt – das Elend des Krieges trat zu Tage. Ein Blick in die Vergangenheit lohnt sich immer. Gerade die Pfarrchroniken vermögen, wenn sie von einem engagierten Chronisten verfasst wurden, viel über das Leben der Menschen in früheren Zeiten zu erzählen. Die Veröffentlichung lässt die Pfarrangehörigen teilhaben an den interessanten Einblicken, die sie den Lesern bieten.