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Der Abschied fällt nicht leicht

Die Pfarre Linz-St. Antonius verabschiedete sich von „ihren“ Schwestern
Ausgabe: 2002/50, Linz, ST. Antonius, Ungarn, Schwestern,
10.12.2002
- Heinz Niederleitner
Nach 32 Jahren in Linz kehren die ungarischen Schwestern vom Göttlichen Erlöser in ihre Heimat zurück.

„Sie werden uns fehlen, die Schwestern.“ So der Tenor der Unterhaltungen nach dem letzten Sonntagsgottesdienst in der Pfarre Linz-St. Antoni us. In der Messe hatte sich die Gemeinde von den Schwestern vom Göttlichen Erlöser verabschiedet. Es war ein Abschied nach 32 Jahren. Wie aber waren die ungarischen Schwestern nach Linz gekommen?

Eine weite Reise

Als Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg in eine kommunistische Diktatur umgewandelt wurde, kam es zur Auflösung kirchlicher Schulen. Jósef Kardinal Mindszenty empfahl den Orden, die jungen Schwestern ins Ausland zu schicken. So verließen auch Schwestern vom Göttlichen Erlöser ihre ungarische Heimat und begaben sich ins westliche, vor allem europäische Ausland. Einige gingen auch in die USA.

Bald wurde klar, dass sich das Exil länger als ein paar Monate hinziehen würde. Als sich die Ungarn 1956 gegen das kommunistische Regime erhoben, bestand Hoffnung. „Ich bin vor dem Radio gesessen und habe die Ereignisse verfolgt“, erzählt Provinzoberin Sr. M. Rita Balogh. Doch sowjetische Truppen schlugen den Aufstand brutal nieder. Die Schwestern rechneten nicht mehr damit, in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Anfang der 70er Jahre wurde die ungarische Vizeprovinz mit Sitz in Linz errichtet, um den zerstreut lebenden Schwestern ein Zentrum zu geben. Die Schwestern, die nach Linz kamen, unterhielten ein Heim für Berufsschülerinnen, sie unterrichteten Religion an der Schule und haben im Stillen unzählige Dienste für die Pfarre St. Antonius ausgeführt: Sie organisierten die PGR-Wahl, halfen beim Flohmarkt, verteilten das Pfarrblatt, führten die Buchhaltung und vieles mehr.

Aus dem Pfarrleben waren sie nicht wegzudenken.Mit dem Ende des Regimes 1989 begann der Wiederaufbau der eigentlichen ungarischen Provinz. So bekam der Orden beispielsweise seine Schule in Budapest zurück. Da die acht in Linz verbliebenen Schwestern schon lange das Pensionsalter erreicht haben und einige pflegebedürftig sind, hat sich der Orden nun entschlossen, die Vizeprovinz und das Haus in Linz aufzugeben. Die Schwestern übersiedeln in ein Ordensaltenheim in ihrer ungarischen Heimat.

Schwerer Abschied

„Der Abschied von St. Antonius fällt uns nicht leicht. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt. Österreich ist zu einer zweiten Heimat geworden“, erzählt Sr. M. Rita. Die Rückkehr nach Ungarn sei eine Entscheidung der Vernunft gewesen. „Die Schwestern werden uns fehlen“, sagt auch Pfarrer Vinzenz Balogh. Für den weiteren Lebensweg wünscht ihnen die Pfarre alles Gute und Gottes Segen.
Das Haus Senefelderstraße 6 übernimmt die Caritas und errichtet darin eine Wohngemeinschaft für Menschen mit und ohne Behinderung. So kann zumindest die Tradition der Nächstenliebe im Haus weiterleben.
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