„Den freien Tag als freien Tag zu erhalten und zu einem Feiertag weiterzuentwickeln. Das ist unserer Generation aufgetragen“, betonte Prof. Dr. Wilhelm Zauner.Der Pastoraltheologe Zauner skizzierte im Rahmen einer Festveranstaltung zum Tag des Judentums die Geschichte von Sabbat und Sonntag. Für die Astrologen des Zweistromlandes galt der siebente Tag als Unglückstag, an dem man besser zu Hause blieb. In einem Prozess, der religionsgeschichtlich ohne Parallele ist, hat das Judentum den verflixten siebten Tag aufgenommen, ihn inhaltlich umgewandelt und die Beachtung als freien Tag auch durchgesetzt. Das Volk Israel erfährt im Sabbat die sorgende und befreiende Nähe Gottes. Der Sonntag ist eine Neuschöpfung der Christen. Im Lauf der Jahrhunderte wurde das Ruhensgebot des Sabbats mit dem Herrenmahl des Sonntags verschmolzen, sodass dem siebenten Tag eine doppelte Bedeutung zukam: als Tag der verpflichtenden Messfeier, belegt mit einem Arbeitsverbot. Der Sonntag ist weit über die jüdisch-christlichen Wurzeln hinausgewachsen und wurde für die gesamte Gesellschaft zu einer tragenden Säule. In der aktuellen Debatte um den Sonntag wies Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner darauf hin, dass Leben mehr ist als Schlafen und Arbeiten: „Der Sonntag ist unser aller Einatmen, auf das wir nicht verzichten können, weil wir sonst nicht überleben würden. Jeder Sonntag nimmt die Auferstehung vorweg“. Josef Wallner