In ihren Familien und Hauskirchen leben sie vor, wie Einheit in Vielfalt ausschauen könnte. Für konfessionsverbindende Ehepaare und Familien ist Ökumene tägliches Brot.
Die Zeiten sind längst vorbei, wo Christen fast ausschließlich innerhalb der eigenen Konfession geheiratet haben. Was für viele Junge heute kein Problem mehr zu sein scheint, war vor dreißig Jahren noch ein schwieriger Start, erinnert sich Erika Größwang. Die Entkrampfung der Beziehungen der Kirchen untereinander durch die ökumenische Bewegung habe sicher dazu beigetragen, dass „diese Fragen heute weniger heiß gesehen werden. Andererseits bin ich mir nicht sicher“, so Erika Größwang, „ob die jungen Menschen die Chance beim Schopf packen, die ihnen eine konfessionsverbindende Familie bietet.“
Neu sehen gelernt
Seit über 20 Jahren sind Erika und Gerhard Größwang Mitglieder einer Familienrunde von konfessionsverschiedenen Paaren in Bad Ischl. „Dieser Kreis hat mir persöhnlich sehr geholfen, meine tiefsitzende negative Meinung über die katholische Kirche zu überwinden“, meint Erika. In ihrer Kindheit und Jugend habe sie schmerzlich erfahren, wie sie als evangelische Christin häufig ausgegrenzt und zurückgesetzt wurde. Im Hauskreis habe sie die Kirche ihres Mannes neu sehen und auch schätzen gelernt. „Am Beginn unserer Runde hatten die meisten Paare kleine Kinder. Da standen Fragen der religiösen Erziehung, der Feier des Kirchenjahres und der Sakramente in den Familien im Vordergrund. Später“, so Erika Größwang, „haben wir häufig bei unseren monatlichen Zusammenkünften über Glaubensthemen gesprochen. Für die meisten von uns war das ein große Bereicherung, schrittweise in den Kirchen unserer Partner auch neue Schätze für den eigenen Glauben entdecken zu können.“ Ohne ihre Verwurzelung in der evangelischen Kirche aufzugeben fühle sie sich heute in der Kirche ihres Mannes ebenso daheim, auch dank der guten persönlichen Beziehung zum katholischen Pfarrer. Sie arbeite auch in beiden Pfarren mit und habe sogar eine Firmgruppe begleitet, erzählt Erika Größwang. Ihren eigenen Weg, aber auch den Wandel im Verhältnis der Kirchen beschreibt sie mit einem weiteren Beispiel: „Früher haben die Sternsinger der katholischen Pfarrgemeinde bei uns nicht einmal angeläutet, heuer hatte ich zum zehnten Mal eine Gruppe zum Essen eingeladen.“
Labor der Ökumene
Wenn heute von konfessionsverbindenden Ehen und Familien und nicht mehr von konfessionsverschiedenen gesprochen wird, so ist das nicht bloß ein anderer Name. Dahinter stehen konkrete Erfahrungen Betroffener, aber auch ein Programm. „Gerade jene Paare, die sich in Gesprächskreisen treffen, haben nicht nur für sich entdeckt, wie bereichernd es sein kann, die Einheit der Kirche Christi in der Vielfalt zu leben, sie sind vielfach auch zu Motoren der Ökumene auf Pfarrebene oder in der Diözese geworden. Konfessionsverbindende Familien sind so etwas wie ein Labor der Ökumene“, meint Klemens Betz aus Axams. „Wir müssen dabei aber aufpassen, dass wir am Boden bleiben und mit dem, wie wir Einheit für uns selber schon leben, die Gemeinden und Kirchen nicht überfordern“, meint Erika Größwang aus Erfahrung in der eigenen Pfarre.
Gelebte Einheit
Zur Sache
Bald nach dem Konzil hat es in der Diözese Innsbruck, noch vor einer gesamtkirchlichen Regelung, die ersten ökumenischen Trauungen gegeben. Bischof Rusch war dafür sehr offen, erinnert sich Klemens Betz. Rusch war es aber auch ein großes Anliegen, dass man diese Paare seelsorglich begeitet.
Vor 35 Jahren wurde so in Tirol der erste Gesprächskreis konfessionsverbindender Familien in Österreich gegründet. Elisabeth und Klemens Betz waren von Beginn an dabei. Etwa zehn Jahre später leisteten sie Geburtshilfe für einen ähnlichen Kreis in Salzburg. Inzwischen gibt es in allen Bundesländern Gesprächskreise, die sich seit 1992 in der Arge Ökumene jährlich einmal zum gegenseitigen Austausch und zum Gespräch mit leitenden Vertretern ihrer Kirchen treffen. Über das Ehepaar Betz hat die Arge Ökumene auch Kontakt zu ähnlichen Organisationen in anderen europäischen Ländern aufgenommen.
1998 gab es am Sitz des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf die erste Weltkonferenz konfessionsverbindender Familien mit 200 Teilnehmer/-innen aus zwölf Ländern. Österreich war damals nur „privat“ durch das Ehepaar Betz vertreten. Vom 24. bis 28. Juli 2003 wird es in Rom die 2. Weltkonferenz geben. Elisabeth und Klemens Betz haben offiziell an der Vorbereitung mitgearbeitet. Besondere Anliegen des Kongresses sind die gemeinsame Seelsorge der Kirchen für konfessionsverbindende Familien und die eucharistische Gastfreundschaft.
- Informationen über die ArgeÖkumene und die Weltkonferenz bei: G. Größwang, Sulzbach 127, 4820 Bad Ischl; Tel. 06132/28 2 28; Mail: g.groesswang@gmx.atOder Tel./Fax 01/86 52 152; www.aifw.org