Männer sind als Tanzmuffel verschrieen. Bei der Männertagung in Schloss Puchberg zeigt sich ein anderes Bild: Männer, die Freude an Musik und Bewegung haben.
„Was immer ich tue, ist zu wenig.“ Immer mehr Männer führt der Druck, der auf ihnen lastet, an den Rand des Zusammenbruchs. Die Männerberatung des Landes OÖ bietet Hilfe.
„Männer fühlen sich ständig kritsiert: von der eigenen Frau, von der Gesellschaft und von den Medien“, beschreibt Mag. Dr. Eduard Waidhofer die Situation von Männern. Der Leiter der Männerberatung weist auf die völlig geänderten Anforderungen hin, mit denen Männer zurechtkommen müssen – ausgelöst durch die Emanzipation der Frauen: „Früher genügte es, dass die Männer die Familie ernährten, heute wird von ihnen erwartet, dass sie zum Beispiel auch noch gute Väter sind und sich partnerschaftlich am Haushalt beteiligen.“
Männer als Packesel
Diese neuen Aufgaben kommen hinzu, ohne dass die Rolle des Ernährers weniger Kraft in Anspruch nehmen würde als früher. Ganz im Gegenteil: Die Anforderungen im Beruf sind gestiegen. Nicht, dass die Männer gegen die Emanzipation der Frauen wären, so Waidhofer, aber vielfach bleibt das Grundgefühl zurück: „Ich kann nichts recht machen.“ Und so drohen Männer zwischen dem Selbstanspruch und der Realität zu zerreißen. Krisen sind die Folge, die Männer in die Beratungsstelle des Landes Oberösterreich führen. Seit der Gründung im Oktober 1997 sind es 1.290 Männer gewesen.
Der Hauptgrund sind Beziehungskrisen (19,5 %), weiters Probleme mit Trennung, Scheidung und Besuchsrecht (18 %), Unsicherheiten in der männlichen Rolle (11 %), physische Gewaltausübung (10 %). Auch Fragen der Sexualität sowie Stress und Erschöpfung spielen eine Rolle.
Von Mann zu Mann
Die wachsende Nachfrage nach der Beratungsstelle zeigt, dass die Männer das Gespräch „von Mann zu Mann“ suchen. Nicht weil sie sich dabei augenzwinkernd über Probleme hinwegschwindeln könnten, sondern weil sie sich besser angesprochen fühlen. Dabei werden die Männer von den Männerberatern nicht geschont, aber von ihresgleichen sind sie eher bereit Hartes und Herausforderndes anzunehmen als von Frauen. Waidhofer, Psychologe und Psychotherapeut: „Bei uns können die Männer aufmachen und sie sind sich sicher, dass das nicht gegen sie verwendet wird.“ Die Beratung geht von der Grundüberzeugung aus, dass die Männer die Fähigkeit für Veränderung in sich haben. Im Psychologenjargon: „Wir arbeiten nicht defizitorentiert, sondern wachstumsorientiert.“
Die Bremse ziehen
Als beste Vorbeugung gegen das Zusammenbrechen unter dem Druck empfiehlt Waidhofer das „Innehalten“: „Sich Ruhe gönnen und nachdenken, wie mein Leben verläuft. Das möchte ich den Männern schmackhaft machen.“ Frauen sind in diesem Bereich weiter als Männer. Frauen beschäftigen sich weit intensiver mit der Sinnfrage des Lebens: Fast 90 Prozent der Bücher des Benediktiners Anselm Grün, ein spiritueller Klassiker, werden von Frauen gekauft.
Als ergänzendes Angebot zur Beratung wurde im Jahr 2000 eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Mannsein eröffnet. Diese Informationsstelle arbeitet eng mit der Katholischen Männerbewegung und der Abteilung Ehe und Familie der Diözese Linz zusammen.
Die neue Adresse der Männerberatung: 4020 Linz, Figulystraße 27, Tel. 0732/60 38 00 (telefonische Terminvereinbarung: Mo. und Do., 16 bis 18 Uhr), E-Mail: maennerberatung.ftz. post@ooe.gv.at