Es war ein beeindruckendes Zeichen: Hunderte Gläubige traten vor die Heilige Schrift und verehrten mit einer Verbeugung das Wort Gottes.
Ein ökumenischer Gottes-dienst im Mariendom war der Auftakt zum Jahr der Bibel. Davor referierte der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl über die Heilige Schrift – „ein Buch voll prallem Leben“.
Die Predigt, die Jesus in der Synagoge von Nazaret gehalten hat (Lk 4,18–19), ist die Lieblingsbibelstelle von Bischof Maximilian Aichern. Jesus deutet dabei sein Wirken mit den Worten des Propheten Jesaja, der gesandt ist, den Armen die frohe Botschaft zu verkünden und die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen. Beim Eröffnungsgottesdienst zum Bibeljahr am 26. Jänner 2003 legte der Bischof diesen Bibeltext aus: „Die helfende Begegnung mit Notleidenden ist die entscheidende Gottesbegegnung in unserem Leben“, so der Bischof.
Der Superintendent der evangelischen Kirche, Mag. Hans-Jörg Eichmeyer, erinnerte daran, dass die Verbeugung vor der Heiligen Schrift ihre Fortsetzung im Aufschlagen des Buches finden müsse. Sein Appell: „Nehmen wir die Bibel im Jahr der Bibel regelmäßig zur Hand!“
Weibischof DDr. Helmut Krätzl stellte in seinem Referat „Die Bibel als Buch zum Leben“ die Bedeutung der Heiligen Schrift für den Gottesdienst in die Mitte seiner Ausführungen. Viele Lesungstexte – gerade von den Propheten des Alten Testaments – zeigen, wie Gott ist. So wird Gott beim Propheten Hosea mit einer Mutter verglichen, die ihr Kind liebt. Krätzl: „Warum sollte nicht eine Mutter mit einem kleinen Kind auf dem Arm zum Ambo treten und diese Stelle vortragen?“ Oder warum könnte der Jesajatext, wo Gott mit einem verliebten Jüngling verglichen wird, nicht von Verliebten aus der Pfarrgemeinde vorgelesen werden? Die Bibeltexte werden im Gottesdienst jedenfalls nicht zur Information vorgelesen, sondern sie laden zum Gespräch mit Gott ein, betont der Weihbischof: „Gott ruft uns, damit wir zum Segen für andere werden.“
Im Jahr der Bibel sollten auch die Psalmen wieder zur Sprache gebracht werden, erinnerte Krätzl. Die Psalmen tragen alle menschlichen Erfahrungen vor Gott: Freude und Trauer, Jubel und Klage, selbst der Schrei nach Rache muss nicht hinuntergeschluckt werden. „Die Psalmen sollten wieder mehr zum Gebetbuch der Kirche werden.“
Zur Sache:
www.dioezese-linz.at/bibel
„Bevor man Materialien oder Methoden für die Bibelarbeit sucht, sollte man sich selbst mit der Heiligen Schrift vertraut machen“, erklärt Rudi Krammer das Konzept der Homepage für das Bibelwerk der Diözese Linz. Dank der Programmierung ist das auch kein Problem: Das Erste, was auf dem Bildschirm erscheint, wenn man die Homepage anwählt, ist das jeweilige Tagesevangelium. Das Bibelwerk hat eine solche Fülle von Behelfen und Informationen ins Netz gestellt, dass die Devise nur lauten kann: hineinschauen.