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„Fair spielt“ heißt die Devise

Auch in der Spielwarenproduktion sind faire Bedingungen noch ein kleines Thema
Ausgabe: 2003/07, Nürnberg, Spielemesse, Spielwaren, Spielwarenproduktion, Dritte Welt, 3. Welt, Toy Fair, Demo
11.02.2003
- Ernst Gansinger
Eine Demonstration vor dem Eingang zur Nürnberger Spielwarenmesse am 31. Jänner 2003. Sie macht auf König Kunde aufmerksam. Durch sein Kaufverhalten hat/hätte er eine große Macht. Den Initiatoren der Demonstration mit breiter kirchlicher Trägerschaft geht es um fairere Bedingungen in der Produktion von Spielwaren.




Die weltweite Leitmesse der Spielwarenindustrie, die Nürnberger Spielwarenmesse, führte im Titel, worum es auch bei Spielen und Spielwaren künftig mehr gehen muss: „Toy Fair“!

Faire Arbeitsbedingungen sind bei international gehandelten Produkten keine Selbstverständlichkeit. Das Diktat der Billigkeit nimmt auf das Wie der Produktion und des Handels wenig Rücksicht. Das gilt auch für Spielwaren.

Das Bischöfliche Hilfswerk Misereor, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands, das Nürnberger Bündnis Fair Toys und die Werkstatt Ökonomie haben sich zur Aktion „fair spielt“ zusammen geschlossen. Es geht um faire Spielregeln in der Spielzeugproduktion. Eine Untersuchung von 38 Spielzeugfabriken im Süden Chinas hat schlechte Arbeitsbedingungen aufgedeckt. Chinesisches Arbeitsrecht und die international von der Spielwarenindustrie vereinbarten Mindeststandards werden vielfach verletzt. „Die soziale Verantwortung der Spielwarenindustrie ist immer noch unterentwickelt“, stellte Dr. Jürgen Bergmann vom „Nürnberger Bündnis Fair Toys“ fest. Nur eine einzige deutsche Firma – KarstadtQuelle AG – habe sich bisher verpflichtet, Arbeits- und Sozialstandards bei ihren fernöstlichen Lieferanten zu überprüfen und durchzusetzen.

Dr. Klaus Piepel von Misereor schöpft Hoffnung, wenn große Handelshäuser von ihren Lieferanten Mindeststandards verlangen. „Menschenwürdige Arbeitsbedingungen können durchgesetzt werden, wenn endlich auch bei deutschen Markenherstellern, die in Fernost produzieren lassen, diese Anliegen Gehör finden.“ Alle Beteiligten am Spielzeuggeschäft, Hersteller, Markenfirmen, Groß- und Einzelhandel, aber auch die Konsumenten müssen einen Beitrag leisten.




ZUR SACHE


China-Spiele


In den Spielzeugfabriken Südostasiens arbeiten unter schlimmen Bedingungen vor allem junge Frauen. Bis vor wenigen Jahren starben bei mehreren Bränden hunderte Arbeiterinnen. Nach weltweiten Protesten wurde der Brandschutz verbessert. Von Juni bis Oktober (Produktion für das Weihnachtsgeschäft) sind extrem lange Arbeitszeiten die Regel. Auch 100 Stunden in der Woche. Lässt der Produktionsdruck nach, kommt es zu Kündigungen oder Kurzarbeit.

China ist der weltweit größte Hersteller von Spielwaren. In mehr als 6.000 Fabriken sind 1,3 Millionen Menschen beschäftigt. Im Jahr 2000 stammten 44,7 Prozent aller deutschen Spielwareneinfuhren aus China. Für Österreich gilt Ähnliches.

Bewusste Konsumenten könnten beim Kauf Fragen stellen: Ist das fair produziert, fair gehandelt?


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