Dr. Bert Brandstetter ist Radio ORF OÖ-Hörer/innen sowie Musikfreunden und langjährigen Kirchenzeitungs-leserinnen und -lesern ein Begriff.
Hermann Maier hat gezeigt, wie’s geht. Nach seinem schweren Motorrad-Unfall kämpften die Ärzte, wie erst später bekannt wurde, um sein Leben und um sein Bein. Maier trainierte eisern und kehrte zurück in die Sportwelt. Der unbedingte Leistungswille und der Glaube an sich selbst hätten ihm geholfen, wird gesagt. Nicht alle schaffen so schnell den Weg zurück.
Eine plötzlich auftretende Krankheit, eine unerwartete Erkrankung der Seele: All das kann das eigene Leben verändern, in Frage stellen. „Die Welt wird kleiner“, erzählt auch Bert Brandstetter, der lange krank war. Neben den körperlichen Leiden macht sich das Gefühl breit, als kranker Mensch nichts mehr wert zu sein. Diese Selbstzweifel sind quälend.
Die Krankenhausseelsorger/innen der Diözese Linz sind für jene Menschen da, die über ihre Ängste und Sorgen reden wollen. Die Seelsorge im Krankenhaus ist ein Weg – neben den medizinischen und therapeutischen Möglichkeiten –, der zur Heilung beitagen kann.
Die Welt wird klein
Bert Brandstetter, Chef vom Dienst beim ORF Radio OÖ, war sehr krank
Den ehemaligen Kirchenzeitungs-Redakteur und jetzigen ORF-Radio-Mann Bert Brandstetter riss eine schwere Krankheit aus dem stressigen Alltag.
Da kam vieles zusammen: Ein ohnedies voller Terminkalender als ORF-Redakteur und dazu noch Stress pur durch umfangreiche Konzerttätigkeit. Am 26. Oktober 2002 wurden die Allerheiligener Orgeltage unter Mitwirkung des Budweiser Opernorchesters abgeschlossen. Bert Brandstetter dirigierte. Her und her war es turbulent.
„Vielleicht habe ich mich in der kalten Kirche verkühlt“, dachte er sich, als er schon während des Konzerts Kreuzschmerzen wahrnahm. Bald wurde es schlimmer. Auch eine Spritze half nicht – im Gegenteil, es wurde unerträglich. Bert Brandstetter kam ins Krankenhaus und Wochen nicht mehr heraus. Kurze Zeit ging es um Leben und Tod.
Nun, sechzehn Wochen später, kommt sein Körper wieder allmählich zu Kräften. Wenn er geht, Stiegen steigt, sich sonst irgendwie bewegt, ist zwar zu erkennen, dass dies nicht schmerzfrei geschieht und dass die Muskeln noch schwächeln. Doch Bert Brandstetter drängt es, die Arbeit bald wieder aufzunehmen. Die schwere Krankheit hat ihn wohl nicht verändert, aber markante Spuren hinterlassen.
Weg vom Stress
Bandscheibenvorfall. Mit dieser Diagnose kam er ins Spital. Das genoss er zunächst: Einmal weg sein vom Stress und dabei kein Tachinierer sein, „was mir sehr wichtig ist“. Dann aber kam das Fieber und die Werte wurden immer schlechter. Der Vorfall hat sich mit verheerenden Folgen entzündet („Spondylodiscitis“): Die Leber versagte, das Blut war vergiftet. Bert Brandstetter kam auf die Intensivstation. In dieser Phase bekam er zwar alles irgendwie mit, hat sich aber nicht ausgekannt. Psychisch ist er zusammengebrochen. Mit dem Gemütlichsein war es zu Ende. Rechtzeitig wurde ein Antibiotikum gefunden, auf das er ansprach.
Liegen, liegen
Der Primar ordnete an, sechs bis acht Wochen liegen zu bleiben. Es wurde sogar noch länger. Liegen, liegen, war quälender Alltag. „Ich hatte aber die Gewissheit, ich werde wieder gesund, wenn es auch lange dauern sollte.“ Neun Wochen war er wie ein Kleinkind auf andere angewiesen. „Wie geht es Menschen“, fragt er, „die auf unabsehbare Zeit liegen, liegen, nur mehr die eine, gleiche Wand sehen, vielleicht auch kaum Besuch bekommen?“
Besuche sind Stützen
Besuche sind Kranken ganz wertvolle Stützen. Bert Brandstetter hat etwa 400 solcher Stützen durch Freunde und Arbeitskollegen erfahren. Seine Frau besuchte ihn sogar täglich. Viele haben an ihn gedacht und ihn mitgetragen. Er wurde sich bewusst: „Mein Leben steht auf vielen Säulen.“
Internatsschüler B.
„Wenn man wochenlang liegt, hantelt man sich von Punkt zu Punkt und baut auf den hin seine Motivation auf. Weihnachten war so ein Punkt“, erzählt Brandstetter. Als Weihnachten kam und damit der Tag, an dem Aussicht bestand, dass er vom Spital nach Hause durfte, wurde aber daraus nichts. Es sei besser, er bliebe noch einige Zeit, sagten die Ärzte. Das Liegen und Auf-andere-angewiesen-Sein wurde verlängert. Obwohl er sich bestens behandelt fühlte, das Gefühl eines Internatsschülers war da. Ein Internatsschüler, der betteln muss, heimzudürfen. Die Wünsche dieser Zeit sind keine großen: Einmal wieder das Daheim riechen können, das Auto sehen („obwohl ich kein Autonarr bin“), wieder selber aufs WC gehen können ... „Die Welt wird klein!“