Bis zu 30.000 Menschen demonstrierten in Wien für Frieden
Ausgabe: 2003/08, Wien, Irak, Hauft, Vieböck, Frieden, Krieg, USA, Stephansdom, KA, UNO
18.02.2003
- Matthäus Fellinger
Vom Westbahnhof bewegte sich der Friedenszug mehr als zwei Stunden über den Heldenplatz zum Stephansdom. Menschen verschiedener Generationen und Weltanschauungen verbindet der Wille zum Frieden. Auch viele aus dem Nahen Osten stammende Menschen und Gruppen waren darunter.
Jeden Monat sterben im Irak 5.000 Menschen, vorwiegend Kinder, weil es für sie keine Medikamente gibt. Viele von ihnen wären leicht zu retten. Im Wiener Stephansdom schilderte die Ärztin Dr. Eva Maria Hobiger, wie im Irak Menschen unter dem Wirtschafts-Embargo leiden. „Aladins Wunderlampe“ heißt ein Hilfsprojekt, mit dem vor allem das Sterben von Kindern im Irak verhindert werden soll. Ein Krieg in dem ohnehin schon ausgebluteten Land würde unabsehbares neues Leid bringen.
Weltweit haben am 15. Jänner Demonstrationen für den Frieden im Irak stattgefunden. „Ein Krieg ist immer ein Scheitern von visionärem menschlichem Denken“, meinte eine Irakerin bei der Abschluss-Kundgebung am Stephansplatz. „Die Menschen haben ein Recht auf eine Alternative zu Diktatur und Krieg“, wurde beim Friedensgebet im Dom betont. Was die Friedensdemonstrationen gebracht haben? Vielleicht einen Lichtschein, dass Friede doch möglich sein wird.
Ein lautes Nein zum Krieg
Mehr als 15.000 beteten und demonstrierten in Wien für den Frieden
Rund 500 Oberösterreicher/innen folgten der Einladung der Katholischen Aktion in Oberösterreich zum Gebet für den Frieden im Stephansdom.
15.000 sagt die Polizei, 30.000 sagen die Veranstalter. Irgendwo dazwischen wird die Wahrheit liegen. Die Friedensdemonstration gegen einen möglichen Irak-Krieg am Samstag, 15. Februar beeindruckte vor allem durch die Vielfalt der teilnehmenden Gruppen. Lautstarke – aber friedliche Jugendgruppen, Gewerkschaften, ausländische Gruppen, solche, die besinnlich den Weg vom Westbahnhof bis zum Stephansplatz zurücklegten. Irgendwo dazwischen die Oberösterreicher/innen, die schon zu Mittag beim Friedensgebet mit rund 3000 Menschen im Stephansdom dabei waren. Eindrucksvoll führte dort Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker die Alternative vor Augen, vor der die Welt steht: die Welt des Pilatus, der den Frieden mit dem Schwert erreichen will, oder die Welt Jesu, in der Friede und Gerechtigkeit die Alternative zum Schwert darstellen.
Margit Hauft als Präsidentin der Katholischen Aktion in Oberösterreich und Bischofsvikar Willi Vieböck begleiteten die Oberösterreicher/innen. Hauft kam auch bei der abschließenden Kundgebung am Stephansplatz zu Wort. Krieg findet den Nährboden, wo Hass und Ungerechtigkeit herrschen, meinte sie. Und: „Unser NEIN zum Krieg, das wir heute laut rufen, fordert uns gleichzeitig heraus darüber nachzudenken, was Versöhnung und Gerechtigkeit konkret heißen, was unser ganz persönlicher Anteil daran sein kann, damit Friede zur Tatsache wird.“ Transparente und Reden prangerten das Unrecht an. Sowohl ein Krieg als auch die bestehende Diktatur im Land bedeuten ein großes Unrecht. Es muss eine Alternative zu beidem möglich werden.