Vor zwei Jahren startete die kirchliche Entwicklungshilfe zu neuen Horizonten. Die optimistischen Erwartungen haben sich nicht erfüllt, jetzt stehen Entlassungen bevor.
Mit 31. März wird ein halbes Dutzend hochqualifizierter Mitarbeiter/-innen die kirchliche Entwicklungshilfeorganisation Horizont 3000 verlassen. Sie wurden gekündigt. „Nach zwei negativen Jahren haben wir etwas tun müssen, um keine Pleite zu riskieren. Die Trägerorganisationen konnten den Ausfall öffentlicher Mittel nicht mehr wettmachen“, sagt Franz Hehenberger von der Katholischen Männerbewegung.
Weniger Geld vom Staat
Am 1. Jänner 2001 hat Horizont 3000 mit viel Optimismus seine Tätigkeit aufgenommen. Aus drei bis dahin getrennt operierenden Organisationen – Österreichischer Entwicklungsdienst (ÖED), Institut für Internationale Zusammenarbeit (IIZ) und Kofinanzierungsstelle – wurde eine gemeinsame kirchliche Entwicklungsorganisation gebildet. Die Träger sind die Caritas, einige Diözesankommissionen für Mission und Entwicklung, die Katholische Frauenbewegung (Familienfasttag), die Katholische Männerbewegung (Sei so frei/Bruder in Not) und die Dreikönigsaktion der Jungschar. Im Jahr 2001 haben die Träger 3,31 Millionen Euro an Eigenmitteln aufgebracht. Das waren 18 Prozent des Gesamtbudgets von Horizont 3000. 13,4 Millionen Euro kamen aus öffentlichen Mitteln; 2,23 Millionen Euro steuerte die EU bei.
Während die Trägerorganisationen in den vergangenen Jahren ihre Mittel ständig aufgestockt haben, sind die öffentlichen Gelder weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Bundesmittel sind in den vergangenen zwei Jahren um 30 Prozent zurückgegangen, die EU-Gelder sind durch immer aufwendigere und unberechenbarere Ausschreibungsverfahren ebenfalls geschrumpft. „Obwohl wir im ersten Jahr sehr vorsichtig (nach den Werten von 1999) budgetiert hatten, mussten wir am Ende ein großes Loch stopfen“, berichtet Heinz Hödl, Vorstandsvorsitzender von Horizont 3000. Da es auch für heuer mit den öffentlichen Geldern finster ausschaut – bei den zur Gänze vom Staat finanzierten Projekten ist mit einem Rückgang um 50 Prozent zur rechnen –, mussten Vorstand und Generalversammlung „die Notbremse ziehen. Dabei war uns ganz wichtig“, so Hödl, „dass die Kernbereiche von Horizont 3000 abgesichert werden: die Auslands-Projektarbeit (Finanzierung und Abwicklung) und der Personaleinsatz.“
Umstrittene Entscheidung
Dass ausgerechnet der von den staatlichen Kürzungen am wenigsten betroffene Bereich der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit im Inland dem Rotstift zum Opfer fiel, ist nicht unumstritten. „Dadurch verändert sich das Profil der Organisation“, meint Robert Zeiner. Für den ehemaligen ÖED-Chef ist „die Verküpfung von Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit im Inland mit den Erfahrungen unserer Leute in den Entwicklungsländern ein Markenzeichen unserer Arbeit“. Zeiner wird Horizont 3000 Ende Juni als Geschäftsführer verlassen.
Einen Grund für die schwierige Finanzlage sehen Zeiner und Hehenberger in den veränderten Vergabemodalitäten. Es sei immer schwieriger, die Finanzierung von Projekten, die Horizont mit seinen Partnern in den Entwicklungsländern ausarbeitet, direkt mit dem Ministerium auszuhandeln. Es werden fast alle Projekte ausgeschrieben. Das bedeutet viel Aufwand mit unsicherem Ergebnis.
Zur Sache
Erfolgreiche Arbeit zu Ende
Die kirchliche Entwicklungshilfeorganisation Horizont 3000 stellt ihre Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit im Inland ein. Eine 20-jährige Praxis geht damit zu Ende. Dass ausgerechnet die entwicklungspolitische Inlandsarbeit weggespart wird, kann Dagmar Lassmann, die in diesem Bereich gearbeitet hat, nicht verstehen, denn die Finanzierungsprobleme seien nicht bei der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, sondern im Auslandsbereich aufgetreten. Durch die Einsparungsmaßnahmen (ca. 400.000 Euro) werde eine durch viele Jahre aufgebaute Kompetenz vernichtet. Außerdem würden viele Kooperationen, die weit über den kirchlichen Bereich hinausreichten, abgebrochen.
Als Beispiele dafür nennt Lassmann die Zusammenarbeit mit der Bildungs- und Schulstelle Baobab, mit vielen Lehrern und Universitäten oder auch die Ausstellung „Reise nach Mittelamerika“, wo man mit 12 anderen Organisationen kooperiert habe.
Eine enge Zusammenarbeit im Bildungsbereich gab es auch mit den Trägerorganisationen. So wurden gemeinsam mit der Jungschar zwei sehr erfolgreich eingesetzte Impulsvideos („Reisefieber“ und „Vom-Land-Leben“) produziert. Die für die kfb gestaltete Materialsammlung „Frauenrechte–Menschenrechte“ wurde international ausgezeichnet. Auch bei der Vermittlung von Referenten aus dem Ausland und von heimgekehrten Entwicklungshelfern wurde stets mit den Trägern kooperiert.
Ein großer Erfolg wurde die Homepage „Stimmen aus dem Süden“ (www.stiads.at), wo die Betroffenen aus den Entwicklungsländern zu verschiedenen Themen selber zu Wort kommen. Ob es dieses Projekt weitergeben wird, ist noch nicht geklärt.