Neuer Vorstand der Schulamtsleiter um konstruktiven Kurs bemüht
Ausgabe: 2003/11, Schulkrach, Klima, Stanger, Kirche
12.03.2003
- Hans Baumgartner
Nach dem schweren Konflikt im Vorjahr haben die Verantwortlichen im kirchlichen Schulbereich in die letzten Monaten die Weichen wieder auf konstruktive Zusammenarbeit gestellt.
Im April letzten Jahres ist der von den diözesanen Schulamtsleitern gewählte Vorstand des Interdiözesanen Amtes für Unterricht und Erziehung nach einem schweren Konflikt mit „Schulbischof“ Kardinal Christoph Schönborn geschlossen zurückgetreten. Entzündet hat sich der Konflikt am Lehrplan für die Sekundarstufe (10–14-Jährige). Wegen inhaltlicher Auffassungsunterschiede sollte der von den Bischöfen genehmigte und bereits gültige Lehrplan wieder überarbeitet werden. Die Schulamtsleiter sahen mehrheitlich dafür keine Notwendigkeit. Kardinal Schönborn setzte daraufhin unter Mitwirkung der Diözesanbischöfe eine neue Lehrplangruppe ein. Die Schulamtsleiter fühlten sich dadurch übergangen und in ihrer, in den Statuten des Interdiözesanen Amtes verankerten Zuständigkeit beschnitten. Der Vorstand sowie der Lehrplanreferent, Oswald Stanger, traten zurück.
Konflikte sachlich lösen
Im zweiten Anlauf konnte im Herbst ein neuer Vorstand gewählt werden, dessen Bestätigung durch die Bischofskonferenz erst kürzlich bekannt gegeben wurde. Ihm gehören die Wiener Schulamtsleiterin Christine Mann als geschäftsführende Vorsitzende und die Schulamtsleiter von Linz und Innsbruck, Karl Aufreiter und Oswald Stanger, an. Dieser wird auch seine bisherigen Agenden als Lehrplanreferent wieder ausüben. „Wir haben im vergangenen Jahr mit unserem Rücktritt ein eindeutiges Zeichen gesetzt, dass wir den eingeschlagenen Weg so nicht hinnehmen wollen“, meint Oswald Stanger. „Das eigentliche Problem war nicht, dass es Meinungsverschiedenheiten über den Lehrplan gab, sondern dass diese nicht auf der dafür zuständigen Sachebene ausgetragen wurden, sondern unter Um-gehung der bestehenden Strukturen ,gelöst‘ werden sollten.“
Obwohl dieses Problem im konkreten Anlassfall (Revision des Lehrplans) weiter bestehe, habe er sich nach langem Überlegen doch bereit erklärt, im neuen Vorstand mitzuarbeiten und wieder für die Lehrplanarbeit verantwortlich zu zeichnen, meint Stanger. „Im Interesse des Religionsunterrichtes und der vielen engagierten Religionslehrer/-innen müssen wir einfach in die Zukunft schauen und nach tragfähigen Wegen suchen, wie wir als Verantwortliche gemeinsam etwas weiterbringen.“ Immerhin, so Stanger, müssten derzeit fünf neue Lehrpläne für die Kindergartenpädagogik, drei berufsbildende Schultypen und die AHS-Oberstufe sowie eine Reihe neuer Religionsbücher auf den Weg gebracht werden.
Das Klima stimmt
Das Klima im neuen Vorstand, in dem ehemalige Konfliktparteien an einem Tisch sitzen, bezeichnet Stanger als einen „sehr konstruktiven Kurs“, getragen von einem „großen Bemühen um Konsens“. „Wir alle wollen einen lebenszugewandten und an religiöser Kompetenz orientierten Religionsunterricht. Dennoch wird es immer wieder unterschiedliche Auffassungen geben, wie das am besten erreicht werden kann. Wenn wir offen mehr aufeinander hören und auch konträre Standpunkte bedenken, werden wir gemeinsame Lösungen finden. Gerade in der Kirche dürfen wir uns dieser sachlichen Konfliktbearbeitung nicht entziehen“, betont Stanger. Von einem „guten, zukunftsorientierten Klima“ spricht auch Karl Aufreiter. „Wir sind unseren Leuten im Religionsunterricht und den katholischen Privatschulen eine gute Arbeit schuldig“, verspricht der längstdienende Schulamtsleiter seine ausgleichende Vermittlung in etwaigen Streifragen.
ZUR SACHE
Religion im Schulunterricht
In einer Zeit, in der viele Kinder und Jugendliche nicht mehr religiös und kirchlich geformt seien, komme dem Religionsunterricht in der Schule besondere Bedeutung zu, betont Christine Mann. Er zeige den Schüler/-innen, wo sie in einer Zeit wachsender religiöser Suche Antworten und Orientierung bekommen können, meint die Leiterin des Interdiözesanen Amtes für Unterricht und Erziehung.
Zu den Konflikten der Vergangenheit (s. Beitrag) meint Mann: „Ich erlebe ein gutes Miteinander, das es auch möglich macht, divergierende und konfliktgeladene Fragen in der Schulamtsleiterkonferenz zu thematisieren und zu diskutieren. Diese sachbezogene Arbeit macht Freude, auch wenn manchmal unterschiedliche Ansichten bestehen bleiben.“
Eine der Fragen, wo unterschiedliche Auffassungen bestehen, ist, wie explizit Grundinhalte des Glaubens als für den Unterricht „pflichtiger Mindestkatalog“ im Lehrplan stehen müssen. „Wir sind es den Schüler/-innen schuldig, ihnen über die Grundlagen unseres Glaubens Auskunft zu geben, damit sie eine informierte Entscheidung treffen können“, betont Mann. Ihr sind in dem umstrittenen Sekundarlehrplan die Grundinhalte zu undeutlich angesprochen.
Aber auch Christine Mann betont, dass man den Religionsunterricht nicht überfordern dürfe. Er könne die Defizite in der religiösen Formung durch Familie und Kirche nicht ersetzen. In vielen Fällen müsse man froh sein, wenn er die Jugendlichen für die Sinnfragen des Lebens und für ethische Verantwortung wach mache. Man müsse aber auch denen was bieten, die mehr wollen.