Diesen Freitag ist Frühlingsbeginn. Ein nachdenklich stimmender Frühling steht bevor. Der Weltfriede erscheint wie diese kleine, verletzliche Blume, die sich durch die Erde wagt. Alles Leben braucht Bedingungen des Wachsens: Licht, Wärme, Nahrung. Auch das Menschenleben. Erneut lädt die Kirchenzeitung ein zum Fasten und Beten für den Frieden.
Foto: Franz M. Glaser
Dramatisch spitzte sich die Lage um den Irak-Konflikt mit einem von US-Präsident Bush gestellten Kriegs-Ultimatum in der Nacht auf Dienstag zu. Der Friede hat jetzt ein Ablaufdatum und scheint damit verloren. „Eine große Niederlage für die Menschheit“ nannte Papst Johannes Paul II. den Krieg. Noch am Wochenende haben weltweit Friedensdemonstrationen stattgefunden, am Freitag der Vorwoche auch in Linz. Trotzdem: Die Hoffnung auf Frieden darf nicht aufgegeben werden, auch nicht im Kriegsfall. Die Kirchenzeitung setzt die Aktion Fasten und Beten für den Frieden fort. Mit 5743 Fastentagen haben sich Leserinnen und Leser bisher an der Aktion beteiligt – viele aus Ohnmacht: Was soll man schon ausrichten gegen die Übermacht?
Christen bereiten sich auf Ostern vor. Deutlich wird, wie Christus gerade den Leidenden nahe gekommen ist. Er hat nicht zu den Waffen gegriffen, er hat vielmehr das Kreuz auf seine eigenen Schultern genommen.
Die Welt von morgen: gerecht, oder sie wird friedlos sein
Österreichisch-iranischer Religionsdialog im Schatten der Irak-Krise
Die Folgen eines Irak-Krieges für die Beziehungen zwischen Christentum und Islam wären weltweit „völlig unabsehbar“, urteilt P. Andreas Bsteh.
„Es war die einhellige Sorge aller muslimischer Gesprächspartner: Was werden die Folgen des derzeitigen Irak-Krise sein?“, berichtet P. Andreas Bsteh aus dem Iran. Vergangene Woche war der Leiter des Religionstheologischen Instituts in St. Gabriel aus Teheran nach Mödling zurückgekehrt. Dort hatten sich – zum dritten Mal bereits – österreichische Christen und iranische Muslime zum Dialog getroffen.
Mit der Vorbereitung des Treffens war zwar schon vor zwei Jahren begonnen worden. Doch das Thema der Begegnung der je zehn Wissenschafter aus verschiedenen Fachrichtungen auf beiden Seiten hätte kaum aktueller gewählt sein können: „Friede, Gerechtigkeit und ihre Bedrohungen in der heutigen Welt.“
Gut gegen Böse
Große Sorge der Gesprächspartner, so P. Bsteh, sei die Gefahr der Stärkung radikaler Kräfte gewesen: „Mit dem Krieg können sie sich darauf berufen, dass ein einvernehmliches Auskommen nicht in Sicht ist und man sich zur Wehr setzen muss.“ Aber nicht nur moderate Muslime sind darüber besorgt. „Diese radikalen Kräfte gibt es auf beiden Seiten. Das Spiel Gut gegen Böse könnte auf beiden Seiten in verhängnisvoller Weise neue Aktualität erlangen.“
Werden alte Denkmuster – der Westen, das sind die Christen – nun wieder verstärkt? „Da möchte ich sehr vorsichtig sein“, meint der katholische Theologe: „Das ist sicher mit ein Ergebnis unserer Bemühungen, dass begonnen wird zu unterscheiden. Nicht zuletzt auf Grund des ganz ausdrücklichen Widerstandes des Papstes gegen die Kriegsvorkehrungen. Es wird immer deutlicher, dass Christentum und Westen nicht einfach gleichgesetzt werden dürfen.“
Gerechtigkeit statt Stabilität
Ein neues Vertrauensverhältnis zwischen Christentum und Islam anzubahnen, das wertet P. Bsteh als ein Ergebnis jahrelanger Bemühungen. Trotz gegenläufiger Tendenzen, mit denen immer wieder gerechnet werden muss, sei doch ein tiefgehender Mentalitätswandel in Gang gekommen: „Die Religionen sind in neuer Weise sensibilisiert für die Notwendigkeit, in der Welt von morgen gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.“
Voraussetzung dafür ist es, und das ist beim Religionsdialog in Teheran wieder deutlich geworden, einen nachhaltigen Frieden nur in Verbindung mit Gerechtigkeit zu sehen. Damit abgelöst wird eine über Jahrzehnte vorherrschende Auffassung: Friede beruhe auf der Stabilität zwischen Ost und West. Durch den Zusammenbruch im Osten habe sich diese Situation grundlegend verändert. „Insofern ist die krisenhafte Entwicklung nicht überraschend. Es ist der Übergang zu einer neuen Weltordnung. Was künftig zählen wird, ist nicht mehr Stabilität, sondern Gerechtigkeit auf allen Ebenen menschlichen Zusammenlebens.“
Unvorstellbar
„Die Welt von morgen wird eine Welt sein, die maßgeblich auf Gerechtigkeit aufgebaut ist, oder es wird keinen Frieden geben“, ist Andreas Bsteh überzeugt. Und so wehrt sich der Steyler-Missionar entschieden gegen jede Vorstellung von einem drohenden Krieg: „So unrealistisch es klingen mag. Ich kann mir einen Krieg nicht vorstellen, solange mich die Wirklichkeit nicht von der Falschheit meiner Annahme überzeugt hat. Denn in einer sehr eng vernetzten Welt müssen wir mit Folgen rechnen, die völlig unabsehbar sind.“
Gefährdet der Irak-Krieg persönlichen Freundschaften zu Muslime, die im Lauf der Zeit gewachsen sind? P. Bsteh: „Nein. Schlimmsten Falls kann es zur Bewährungsprobe kommen.“ Und trotz der Bedrohungen für den Dialog der Religionen meint er: „Was in den Jahren entstanden ist, da können Sandstürme darüber hinwegfegen. Aber ausgelöscht kann es nicht mehr werden.“
Machen Sie mit!
In seinem ausführlichsten und persönlichsten Friedensappell seit Ausbruch der Irak-Krise hat sich Papst Johannes Paul II. am Sonntag an alle Verantwortlichen gewandt, „Mut und Weisheit“ zu zeigen. Die kommenden Tage seien entscheidend. Angesichts der von ernsten Ungleichgewichten und Gewalt gezeichneten Menschheit gelte es, das Vertrauen auf Gott nicht zu verlieren. Die Gläubigen rief er auf, das Gebet für den Frieden zu verstärken.