Am Ende des Konzerts trat der schmächtige Dirigent Elli Jaffel ans Mikrophon. Es war 12. März 2003. Schauplatz: Brucknerhaus Linz. Das ist ein Tag des Sieges sagte er.
Rückblende: Auf den Tag genau 65 Jahre vor diesem 12. März 2003 jubelten die Linzer einem anderen zu. Hitler erreichte die Stadt. Sein Feldzug des Grauens hatte begonnen. Wäre es nach ihm gegangen, so hätte es Musik, wie sie an diesem 12. März 2003 im Linzer Brucknerhaus zu hören war, nicht mehr gegeben.
Die Zuhörer und Zuhörerinnen im Brucknerhaus erlebten, was damit verloren gewesen wäre. Die ebenso traurigen wie heiter-ironischen Lieder, wie sie der Chor der Großen Synagoge Jerusalem an diesem Abend in Linz präsentierte, wären nicht mehr zu hören auf dieser Welt. Angehörige der Kultusgemeinde waren im Saal. Nicht viele, denn es gibt nicht mehr viele. Wäre es zu jenem 12. März 1938 nicht gekommen, der Saal hätte voll sein können ausschließlich mit Angehörigen der Kultusgemeinde.
65 Jahre liegen dazwischen, in denen Österreich und Europa um viele Menschen ärmer geworden ist – und hoffentlich um eine Erfahrung reicher.