Gottfried Froschauer ist Koordinator des Seelsorgeraumes „Machland“. Konsequentes Arbeiten und exakte Zeiteinteilung helfen ihm, Beruf und seine ehrenamtliche Tätigkeit für die Kirche unter einen Hut zu bringen.
Foto: Josef Wallner
In der Schule ist es bei Strafe verboten, in der Kirche ausdrücklich erwünscht: das Abschauen vom Nachbarn. Dank des Einsatzes von Gottfried Froschauer ist im Seelsorgeraum Machland der Blick über die Pfarrgrenzen hinweg schon selbstverständlich.
Der Pfarrer von Naarn, Johann Zauner, lässt keinen Zweifel daran, was er von der Zusammenfassung der Pfarren zu Seelsorgeräumen hält: „Ich bin vom Konzept der Seelsorgeräume sehr überzeugt. Es hilft über den Tellerrand hinauszuschauen und bringt neue Impulse.“ Mit Arbing, Baumgartenberg, Mitterkirchen bildet Naarn den Seelsorgeraum Machland. Drei Priester und eine Pfarrassistentin sind als Hauptamtliche für die rund 7.200 Katholiken zuständig. Dass das Prinzip der Zusammenarbeit stets im Gespräch bleibt, darum bemüht sich Gottfried Froschauer. Seine Funktion wird mit dem Wortungetüm „Seelsorgeraumkoordinator“ bezeichnet.
Vernetzen
Unaufdringlich, aber konsequent vernetzt der 43-jährige Bankstellendirektor seit 2001 die verschiedenen Initiativen der einzelnen Pfarren: So arbeiten bereits die Bildungswerke der Pfarren zusammen und in den den Pfarrblättern wird künftig eine gemeinsame Seite erscheinen. Auch die Bibelausstellung (27. April bis 11. Mai) in Baumgartenberg wird vom gesamten Seelsorgeraum getragen. Für Herbst 2003 ist ein besonderes Projekt in Planung: ein Glaubenskurs, zu dem die renommierten Wiener Theologischen Kurse als Partner gewonnen werden konnten. „Allein als Pfarre könnten wir uns nie an ein solches Projekt wagen“, meint Froschauer. Er weiß, wovon er spricht. Er war zwei Jahrzehnte im Pfarrgemeinderat von Naarn, zehn Jahr davon PGR-Obmann. „Aber gemeinsam ist diese Initiative möglich.“ Dass Seelsorgeräume notwendig sind, liegt für ihn auf der Hand: „Es ist nur scheinbar ein Widerspruch, wenn ich sage: Die Seelsorgeräume sind eine Hilfe, dass die einzelnen Pfarren eigenständig bleiben können.“ Nur durch Vernetzung können die Pfarren ihre Identität bewahren.
Die Sorgen teilen
Den konkreten Formen der Zusammenarbeit sind keine Grenzen gesetzt. Auf Sicht könnte es sogar eine gemeinsame Buchhaltung geben, denkt Froschauer laut. Im Seelsorgeraum soll aber nicht nur die Arbeit koordiniert werden, er soll auch zu einem geistlichen Ort werden: „Es gibt vieles, was in unseren Pfarren schwierig ist und nicht so gut läuft. Das können wir im Seelsorgeraum miteinander tragen.“ Für Gottfried Froschauer steht außer Zweifel, dass die Kirche durch den Priestermangel und die knapp kalkulierte Zahl der Hauptamlichen in einem Veränderungsprozess steckt: „Die Situation setzt neue Kräfte frei.“ Er weist auf die rund vierzig Wortgottesdienst-Leiter/innen im Seelsorgeraum hin.
Neue Form von Kirche
Sie tun etwas, was sie bisher noch nie in dieser Intensität machen mussten: sich zur Vorbereitung der Wortgottesdienste intensiv mit der Heiligen Schrift auseinander zu setzen. „Das ist eine Riesenchance und hat auch Qualität. Es entsteht eine neue Form von Kirche.“
Von den 92 Seelsorgeräumen der Diözese haben zur Zeit fünfzehn einen Koordinator bestellt. Froschauer, Vater von vier Kindern im Alter von fünf bis 18 Jahren, ist der einzige ehrenamtliche Laie unter ihnen. Pfarrer Zauner ist für seinen Einsatz dankbar: „Der Seelsorgeraum hat bei uns schon viele gute Früchte hervorgebracht. Ich könnte mir aber nicht vorstellen, dass ich selbst diese Aktivitäten zufrieden stellend koordinieren könnte.“