Die vielen kirchlichen Gruppen in der Diözese Linz erinnern manchen an die Artenvielfalt im Vogelpark Schmiding. Weniger boshafte Zeitgenossen bevorzugen den Vergleich mit einer Blumenwiese. Theo-logen sprechen von der legitimen Vielfalt in der Einheit.
Fokolarbewegung, Vinzenzgemeinschaft, Katholische Aktion, Charismatische Erneuerung – wer sich mit der Kirche Oberösterreichs beschäftigt, stößt auf eine Vielzahl unterschiedlicher Gruppierungen und Bewegungen. Slawomir Dadas, Pfarrer in Hörsching, hat sich – in einem größeren Zusammenhang – des Themas angenommen und an der Universität Innsbruck eine Doktorarbeit verfasst. Er untersucht, wie die einzelnen Bischöfe das kirchliche Leben seit Entstehen der Diözese 1785 in Oberösterreich geprägt haben. Im Blick auf die Theologiegeschichte zeigt er die unterschiedlichen Weisen auf, wie sich Kirche verwirklicht hat, und begründet die Einheit der Kirche als „versöhnte Verschiedenheit“. Erstmals beschäftigt sich eine wissenschaftliche Arbeit auch mit den einzelnen Gemeinschaften und Gruppen, die in der Diözese tätig sind. Insgesamt listet er 31 Gruppen auf, charakterisiert und bewertet sie. Ausgangspunkt ist die Darstellung der Bewegungen, die sie selbst beigestellt haben. Die ungefähr gleich langen Beschreibungen wollen die Organisationen nicht gewichten, sondern einen Überblick geben.
Geistliche Aufbrüche
Zur Zeit gewinnen vor allem Gruppen in der Kirche an Bedeutung, die ihren Schwerpunkt auf Gebet und gemeinschaftliches geistliches Leben legen. Dazu gehören vor allem die charismatische Erneuerung und mit ihr verwandte Gruppierungen wie Gebetskreise. „Selbstverständlich muss sich eine Pfarre fragen, ob alles stimmt, wenn geistlich suchende Menschen in der Pfarre kein Angebot finden“, so Pfarrer Dadas. Diese Gruppen erinnern daran, dass ein Pfarre nicht vom Pfarrfest und Pfarrcafé lebt und sie mahnen spirituelle Kompetenz ein. „Die Gruppen sind ernste Anfragen, aber keine Lösung für die Zukunft der Kirche“, stellt Dadas klar. Die Pfarre steht für den Pastoraltheologen besonders für eine gestufte Religiosität. Sie hält die Kirche für verschiedene Formen von Nähe – im überwiegenden Fall von Distanz – offen. Das sei ein wichtiger Gegenpol zu den Gruppen, die vom Ansatz her Verbindlichkeit einfordern müssen. So findet er die Beibehaltung der Pfarrstruktur, zu der sich die Diözese in ihren pastoralen Leitlinien bekennt und die in Seelsorgeräume eingebettet ist, von enormer Bedeutung. Pfarrer Dadas hat in Anlehnung an das Papstrundschreiben „Zur Sendung der Laien“ einen Raster zur Beurteilung von Gruppen erarbeitet. Neben der Berufung zur Heiligkeit und dem Bekenntnis zum katholischen Glauben verweist er nachdrücklich auf die Toleranz, die die einzelnen Bewegungen auszeichnen muss.
Zur Sache
Erfahrungen sind gefragt
Auf dem für den Artikel zur Verfügung stehenden Platz, ist es nur möglich, das Thema „Gruppen und Bewegungen in der Diözese Linz“ anzureißen. Viele Christen/innen haben durch Bewegungen oder Gruppen der Katholischen Aktion neu zum Glauben und darin ihre Heimat gefunden. Manche haben sich wieder abgewandt. Die KIZ lädt ein, die Erfahrungen mit den Gruppen darzustellen: positive und negative. In loser Folge werden die Erfahrungsberichte erscheinen, wenn Pfarrer Dadas die entsprechende Bewegung beschrieben hat, wird auch in Kurzform seine Beurteilung veröffentlicht. Bitte um knappe und persönliche Beiträge (es steht nicht mehr als eine Spalte zur Verfügung)
In Oberösterreich hat es sich bewährt, dass die Gliederungen der Katholischen Aktion Sorge für die gesamte Pastoral in ihrem Bereich übernommen haben, bekräftigte kürzlich Bischof Maximilian Aichern bei der Diözesankonferenz der Katholischen Männerbewegung (KMB). Konkret ist die KMB nicht nur für ihre mehr als 22.000 Mitglieder verantwortlich, sondern setzt Initiativen für alle Männer. Dasselbe gilt für die Katholische Frauenbewegung, die Jugend und Jungschar – um nur die größten Gruppen zu nennen. Die anderen kirchlichen Bewegungen sind über das Forum Laienapostolat mit der Diözese verbunden. Das Gremium tagt dreimal jährlich und zur Zeit gehören ihm zwanzig Gruppen an.