Schloss Puchberg – Verbindungshaus zwischen Kirche und Gesellschaft
Ausgabe: 2003/24, Schloss Puchberg, Kirche, Achleitner, Bildungshaus,
13.06.2003
- Matthäus Fellinger
Das Bildungshaus Schloss Puchberg feiert am kommenden Wochenende sein 50-jähriges Bestehen. Zugleich wird nach einer Umgestaltung neu eröffnet. Die Kirchenzeitung sprach mit Direktor Dr. Wilhelm Achleitner.
Die Diözese Linz spart. In Puchberg wurde trotzdem investiert. Lohnt sich diese Investition in ein Bildungshaus?
Achleitner: Mit der Zustimmung zur Erweiterung des Bildungszentrums Puchberg hat die Diözese ein Zeichen gesetzt, dass ihr Bildung wichtig ist. Wenn früher ein Missionar in ein Land gekommen ist, hat er immer eine Kirche gebaut, ein Krankenhaus und drittens eine Schule errichtet. Das sind die drei Grundimpulse der Religion überhaupt: Liturgie, Diakonie und Bildung. Für mich – weil Pfingsten ist – ist Bildung die Vorbereitung auf die Ankunft des Heiligen Geistes. Er ist der Sinn und das Glück der Menschen.
Neben dieser religiösen Zielrichtung steht Puchberg auch an der Schnittstelle zur Gesellschaft. Was kann ein Bildungshaus da leisten?
Achleitner: Es ist wichtig, dass wir in die Gesellschaft hinein offen sind. Puchberg will ein gastfreundliches Haus sein, in dem jeder und jede willkommen ist. Wir sagen aber auch deutlich dazu, dass wir ein kirchliches Haus sind. Wir laden Gäste ein und zeigen uns als kirchliches Bildungshaus. Wir können eine positive, menschenfreundliche Form von Kirchlichkeit zeigen. Wir bedrücken oder bedrängen niemanden – wir sagen nur: Komm und sieh!
In der Statistik geht vieles, was mit Kirche zusammenhängt, zurück. Puchberg hat Wachstumszahlen. Warum?
Achleitner: 1995 sind 25.000 Gäste in unser Haus gekommen. Im letzten Jahr waren es 31.000. Das kann man nur im Rückblick feststellen – und wir freuen uns darüber. Eine Statistik kann aber auch von einem Jahr auf das andere wieder anders aussehen.
Was würden Sie aus den vielen Gesprächen, die es in einem Bildungshaus gibt, der Kirche zurückmelden?
Achleitner: Das erste Anliegen: Wir sind als Kirche ratlos, was die Jugend betrifft – trotz aller Bemühungen der Jugendorganisationen. Die Musik der Jugendlichen beispielsweise passt mit unsrem „Gotteslob“ nicht mehr zusammen. Jugendlichen ist vieles einfach nicht mehr zugänglich, sie leben in einer anderen Welt.
Ein Zweites: In der Frage kirchlicher Ämter für Frauen hätte schon längst etwas geschehen müssen. Das ist überfällig. Niemand versteht das mehr, unsere Kinder verstehen den Ausschluss der Frauen von bestimmten Kirchenämtern überhaupt nicht mehr.
Und drittens: Nach dem Erscheinen der Eucharistie-Enzyklika mit dem Verbot des gemeinsamen Abendmahles habe ich erlebt, wie ältere Menschen, die aus Kernschichten der Kirche kommen, zornig geworden sind – wie wenn evangelische Christen einen anderen Gott hätten.