Das Phänomen ist seltsam: In Fragen der Bioethik, der Wirtschaft und der Sexualität wird der Kirche vorgeworfen, nichts zu verstehen, gleichzeitig ist der Kirche die Aufmerksamkeit sicher, wenn sie sich zu diesen Fragen äußert. So die Diagnose des Moraltheologen Michael Rosenberger bei seiner Antrittsvorlesung an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz. Die Gesellschaft schätzt die Kirche – eher unbewusst als bewusst und trotz Fehler – als „Speicher von Werten“. Dabei geht es nicht nur um die Lehrentscheidungen, sondern auch um das Lebenswissen, das in Bibel, Liturgie und in den Erfahrungen der Gläubigen gespeichert ist. Nicht nur die Argumente der Vernunft sind gefragt, erklärt Rosenberger. Kirche werde dort als kompetent wahrgenommen, wo sie ihren spezifisch theologischen Erfahrungsreichtum – im Dialog – zur Sprache bringt.