Der Medienwirbel um die Linzerin „Sabatina James“ hat es zu einem Thema gemacht: Was erleben Menschen, die vom Islam zum Christentum konvertieren?
Die Schlagzeilen im aktuellen Fall sind inzwischen kleiner geworden: Die Erfahrungen der 21-jährigen Linzerin, die wegen ihrer geplanten Konversion vom Islam zum Christentum mit dem Tod bedroht worden sein soll, birgt viele Ungereimtheiten. So viele, dass eher an eine gut gemachte Werbung für ihre Biographie zu denken ist als an eine glaubwürdige Auseinandersetzung mit einem nicht einfachen Schritt: der Bekehrung von Muslimen zum Christentum.Die Zahl derer, die diesen Weg in der Diözese Linz gehen, ist gering. In Oberösterreich handelt es sich jährlich lediglich um einige Personen. Frau Inanc Sterbik ist eine von ihnen. Die heute 34-jährige Mutter von drei Kindern stammt aus der Türkei. Sie folgte „der Liebe“ nach Österreich. Sie genoss nach eigenen Worten in der Türkei eine gute Ausbildung im Koran, aber es blieben ihr manche Frage unbeantwortet. Vor allem, dass es erlaubt sein soll, dass Männer Frauen schlagen dürfen, konnte sie nicht verstehen. Trotz Zweifel am Islam bekennt sie: „Ich habe immer gebetet. Ich habe immer versucht auf Gottes Wegen zu gehen.“ Auch als sie vor fünfeinhalb Jahren nach Österreich kam. Das erwartete Paradies entpuppte sich als Reinfall. Nachbarn im damaligen Wohnhaus gaben ihr eine Bibel in türkischer Sprache. „Zwei Jahre habe ich beides nebeneinander gelesen: die Bibel und den Koran. Ich betete mit den Worten des Koran und gleichzeitig mit den Worten der Bibel zu Jesus.“ In ihrer schwierigen familiären Situation erhielt sie Unterstützung in der Linzer Pfarre Guter Hirte. Vor drei Jahren bat sie um die Taufe, vor drei Wochen wurde sie mit drei weiteren Erwachsenen in der Pfarre von Bischof Maximilian Aichern gefirmt. Als ihre türkischen Freundinnen von dem geplanten Schritt erfuhren, wollten sie sie abhalten und haben schließlich einen islamischen Geistlichen geschickt, der sie überzeugen sollte. Genützt hat dieses Bemühen nichts. „Ich bin mit diesen Frauen nach wie vor in Kontakt, aber so wie früher reden wir nicht mehr“, erzählt Sterbik von den Konsequenzen ihrer Taufe: „Manche haben auch gesagt, du bist jetzt keine Türkin mehr.“ Ihre Familie in der Türkei wollte eine Erklärung über den Schritt ihrer Tochter: „Da bin ich zu ihnen gefahren und habe Koran und Bibel nebeneinander gelegt. Wir haben darüber gesprochen.“ Besonders ihre Schwestern seien überzeugt, dass sie einen guten Weg gehe. Die Familie freute sich vor allem, dass sie ihre Tochter glücklich gesehen hat. „Ich weine oft in der Messe. Ich fühle mich klein und doch so von Gott geliebt. Das ist ein super Gefühl“, sagt Sterbik – einfach und ungekünstelt, als würde sie von der normalsten Sache der Welt reden: „Die Liebe Gottes schützt mich und die Kinder – das hat mich verändert. Ich habe vor Gott keine Angst mehr, ich darf mit offenem Herzen vor ihm stehen.“ Beim Sonntagsgottesdienst und einer wöchentlichen Bibelrunde stärkt sie ihren Glauben. Wo immer Inanc Sterbik hingeht, hat sie ihr goldenes Kreuz umgehängt. Sie trägt es über dem T-Shirt oder der Bluse – gut sichtbar. Wenn sie darauf angesprochen wird, freut sie sich über ihren Glauben Rechenschaft geben zu können. Lächelnd sagt sie: „Es ist schön, Christin zu sein, aber nicht immer leicht“.
Zur Sache
Glaubenskurs
Der Theologe Mag. Stefan Schlager ist in der Diözese Linz Koordinator für die Glaubenseinführung von erwachsenen Tauf- und Firmbewerbern. An den Glaubenskursen nehmen immer wieder auch Muslime teil. Meist sind es Frauen, so Schlager, die vom Frauenbild des Christentums beeindruckt oder über die Caritas mit gelebtem Christentum in Kontakt gekom-men sind. Bedrohung von Taufwerbern habe man noch keine erlebt, aber doch Probleme mit dem Umfeld. Ebenso selten wie Taufen sind in der Diözese Linz kirchliche Ehen zwischen einem christlichen und muslimischen Partner. Das bischöfliche Ordinariat verzeichnete im Jahr 2002 drei solcher Eheschließungen.
Islamisches Recht
Die Konversion eines Muslim zum Christentum ist aus islamischer Sicht keine Bagatelle. In manchen islamisch geprägten Staaten steht darauf die Todesstrafe. Der Vorsitzende der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs, Anas Schakfeh, betont gegenüber dem Neuen Volksblatt: „Wir sind Bürger Österreichs. Und in diesem Land gelten die österreichischen Gesetze.“
Brücken
Unter dem Dach der Fokolarbewegung arbeiten der Christ Dr. Karl Pree und der Muslim Zekeriya Eser zusammen. Sie sind in Freundschaft verbunden und geben vor Gruppen gemeinsam Zeugnis von ihrem Glauben: „Uns ist wichtig, dass jeder seinen Glauben so gut wie möglich lebt. Das führt uns zusammen. Wir schauen von verschiedenen Seiten auf den einen Gott.“