Nora Dubjk lebt die Botschaft: Man muss die Menschen mögen.
Der Fluss Schil ist schwarz. Die Kohle hat ihn gefärbt. Die Kohle, die hier Tausenden Arbeit und Lohn gab.
Nach dem Sturz des Ceaucescu-Regimes schlossen die meisten Zechen. Viele Menschen wurden arbeitslos (inoffiziell bis zu 70%, offiziell immerhin 30%). Etliche Kinder leben auf der Straße. In diese Situation hinein gibt die Caritas von Alba Julia, unterstützt auch von der Caritas Linz, Hoffnung. Eine junge Frau – Nora Dubyk, 22 Jahre – ist ein Engel der Region. Ihre Familie ist mit dem Kohlebergbau seit Jahren – auch durch leitende Funktionen – verbunden. Mit bis zu 30 ehrenamtlichen Mithelfer/innen betreut Nora ca. 50 der bedürftigsten Familien des Linzer Patenschaftsprogramms, organisiert Kinderlager sowie eine Samstagsschule für Kinder aus armen Familien und sorgt sich um Straßenkinder. Diese sind teilweise noch nicht einmal im Schulalter. Für sie wurde jetzt ein Haus gekauft, das ihnen Nachtasyl und eine Grundversorgung gewähren wird. Angeboten werden auch Schulungen, eine Bibliothek und eine Suppenküche.
Nora ist geblieben
Viele Altersgenossen von Nora haben dem sozial- und wirtschaftlich darniederliegenden Rumänien den Rücken gekehrt. Nora hätte das auch tun können. Sie hätte es obendrein leichter gehabt. Mit ihrem polnisch-italienischen Familienhintergrund und ihrer Sprachengewandtheit (u.a. Englisch und Ungarisch) hätte sie gute Chancen außerhalb Rumäniens. Doch sie mag die Leute hier. Sie geht nicht weg. Ihr Platz ist Petrosani in den Südkarpaten. Sie lebt Begeisterung, versprüht Optimismus, den viele bei uns, in viel besseren Verhältnissen, nicht mehr imstande sind zu mobilisieren.
Die Leute mögen
Wie sehr sie die Leute mag, ist auf ihrem Besuchsweg erlebbar, der sie zu einigen der ärmsten Familien führt. Etwa zu Familie Aradni. Deren Haus ist eine Bretterbude; der Boden erdig. Ein vollbeladenes Sofa, ein Holzofen, viel Gerümpel, Essensreste auf dem Ofen (von welchem Tag?), Papierknäuel, Hundegekläff,... Nichts Gastliches, nichts Heimeliges, nichts Einladendes. Und doch soviel Herzlichkeit. Nora und die Oma, die mit den Enkelkindern und einem Urenkerl die Behausung teilt, umarmen sich. Nora ist bei den sonst sehr zurückgezogen lebenden Menschen ein gern gesehener Gast. Nicht in erster Linie deshalb, weil sie frisches Gemüse vom Markt bringt. Vielmehr, weil sie Wärme bringt und lebt, dass sie diese Menschen mag.Ernst Gansinger