Theologische Fakultät Innsbruck startet ein neues Grundstudium
Ausgabe: 2003/27, Innsbruck, Fakultät, Bologna,
01.07.2003
- Hans Baumgartner
Die Theologische Fakultät der Uni Innsbruck setzt auf Zukunft. Deshalb startet sie im Herbst als erste im deutschen Sprachraum mit einem neuentheologischen Grundstudium.
In der alten Universitätsstadt Bologna haben sich die EU-Länder darauf geeinigt, ihre akademischen Studien neu zu ordnen. Zu den bisherigen Dipom- und Doktorratsstudien kommt das Bakkalaureat als Kurz- oder Grundstudium dazu. Die Universität Innsbruck setzt diese Richtlinie als erste im deutschsprachigen Raum für das Theologiestudium um. Bisher hat die akademische Ausbildung eines/r Theologen/-in mindestens zehn Semester gedauert. Das Bakkalaureatsstudium dauert sechs Semester. Es handelt sich dabei aber nicht um eine lückenhafte Schmalspurtheologie, sondern um ein umfassendes theologisches Basisstudium, betont Univ.-Prof. Matthias Scharer. „Wir haben im Zuge der neuen Studienpläne, die vergangenen Herbst in Kraft getreten sind, die theologische Ausbildung völlig neu gestaltet. Wir bieten bereits im ersten Studienabschnitt, der auf sechs Semester ausgedehnt wurde, ein umfassendes theologisches Grundstudium an, in dem alle wesentlichen Fachbereiche enthalten sind. Das ermöglichte es uns, ohne große Umstellungen ein Bakkalaureatsstudium einzurichten“, berichtet Scharer. Das Konzept habe auch die Österreichische Bischofskonferenz und die römische Bildungskongregation, die zunächst skeptisch waren, überzeugt. Für Scharer ist die Einrichtung eines Grundstudiums ein Zukunftskonzept, das mehrere Ziele verfolgt.
- Schon jetzt haben Studierende anderer Disziplinen (Geistes- und Naturwissenschafter, Mediziner, Juristen, Betriebswirte u. a.) die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Wahlfächer theologische Lehrveranstaltungen zu besuchen. „Als Theologische Fakultät haben wir ein großes Interesse, ein gesamtuniversitär interessantes Angebot zu machen. Wir sind überzeugt, dass gerade in der heutigen Zeit die Fähigkeit zur kritischen Beurteilung religiöser und ethischer Problemstellungen in allen gesellschaftlichen Bereichen immer mehr gefragt ist.“ Mit dem Bakkalaureat soll Studierenden anderer Fachrichtungen, die in die Theologie hineingeschmeckt haben, ein zusätzlicher Anreiz geboten werden, sich noch tiefer mit religiösen, weltanschaulichen und ethischen Fragen zu befassen. „Das ist eine ideale Möglichkeit für eine Zusatzqualifikation (Zweitstudium), die neben der persönlichen Bereicherung auch auf dem Arbeitsmarkt etwas bringt“, ist Scharer überzeugt.
- Als zweite Zielgruppe sieht Scharer ständige Diakone, Jugendleiter/-innen und Religionslehrer/-innen an Pflichtschulen, die eine intensivere theologische Aus- oder Weiterbildung suchen. Absolventen/-innen Religionspädagogischer Akademien (RPA) oder einer gleichwertigen Ausbildung brauchen nur mehr ein Jahr auf das Bakkalaureat aufstocken. Für sie ist das auch eine ideale Einstiegsmöglichkeit für ein weiterführendes Theologiestudium (Diplom oder Doktorat) und eine neue Berufsorientierung.
- Eine weitere Zielgruppe sind Menschen, die Orientierung suchen und/oder die haupt- und ehrenamtlich in der Kirche tätig sind.
Einsatzmöglichkeiten für Absolventen des Bakkalaureatsstudiums sieht Scharer im Religionsunterricht (Pflichtschulen), in der Erwachsenenbildung und in vielen basisnahen Bereichen der Seelsorge.
Jugendliche, die über Umweltschutz nicht nur reden wollen, können beim „Freiwilligen Ökologischen Jahr“ Praxis sammeln. 150 haben es bisher getan. Der nächste Kurs beginnt am 1. Oktober. Seit 1993 gibt es das „Freiwillige Ökologische Jahr“ der Katholischen Jugend Österreichs. Dabei können Jugendliche für freie Unterkunft, Verpflegung und 160 Euro Taschengeld pro Monat in ganz Österreich als „freiwillige Ökologen“ arbeiten. Vom Biobauernhof am Traunsee über die Mitarbeit bei einer Umweltorganisation in Wien bis zu einem Einsatz in einem Vorarlberger Bildungshaus reicht die Palette. Die Einsätze reichen meist von Oktober bis Juli. Die Teilnehmer/-innen bekommen Einblicke in Themenbereiche wie biologische Landwirtschaft, erneuerbare Energie, Umwelt- und Naturschutz, sanfter Tourismus, Umweltpädagogik oder Müllvermeidung. Die Arbeitseinsätze werden durch mehrere Schulungen ergänzt, bei denen die Jugendlichen selber Projekte durchführen.