Wahlen haben oft Nachbeben. Dieses Mal gibt es auch eininnerkirchliches.
Auslöser für das innerkirchliche Rumoren ist die Parteinahme kirchlicher Persönlichkeiten für die Wiederwahl von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer.
Vorgeschichte
Abt Martin Felhofer, Stift Schlägl, und Propst Wilhelm Neuwirth, Stift St. Florian, sowie die Patres Kilian Seiringer, Stift Kremsmünster, und Alfred Strigl, Stift Schlierbach, warben in einem ganzseitigen Zeitungsinserat des „Personenkomitees für Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer“ wie etwa 350 andere Personen auch. Die Unterstützung des Diözesanobmanns der Katholischen Männerbewegung (KMB), Franz Gütlbauer, wurde in Inseraten mehrmals geschaltet. Die Kritiker stört besonders, dass die fünf Kirchenvertreter auch mit ihrer kirchlichen Funktion warben.
Eintreten für eine Person
Dr. Franz Gütlbauer, Diözesanobmann der KMB, versteht die Aufregung um seine Unterstützung für Landeshauptmann Dr. Pühringer nicht. Er habe eine persönliche Erklärung, die in der Diözesanleitung der KMB abgesprochen war, zur Person des Landeshauptmanns abgegeben.Auch Mag. Michael Strugl, Wahlkampfstratege der ÖVP sagt, dass das Personenkomitee bewusst abseits der Partei organisiert worden sei. „Das war vielen im Komitee wichtig.“
Gütlbauer begründet seine Unterstützung, „weil Landeshauptmann Pühringer ein Politiker ist, der sich nie gescheut hat, sich öffentlich zum Christentum und zur katholischen Kirche zu bekennen.“ Pühringer sei außerdem Mitglied der KMB, setze sich auch öffentlich für die Ziele der KMB ein, insbesondere im Bereich „Sei so frei“. Für die KMB gebe es aber keine Partei-Präferenzen. Vielmehr mahnt die KMB bei allen Politikern ein Handeln nach christlichen Grundsätzen ein.
Die Präsidentin der Katholischen Aktion der Diözese Linz, Margit Hauft, sieht die Wahlunterstützung problematischer und meint: „Wir werden miteinander darüber reden.“ Die Katholische Aktion könne nie für oder gegen eine Partei sein, sondern nur für oder gegen politische Maßnahmen. Es sei ganz klar, „wenn ich mich für den Landeshauptmann ins Zeug lege – der unbestritten gute Arbeit geleistet hat – dann ist auch der ÖVP geholfen.“ Das sei parteipolitisches Engagement und nicht im Sinne der Katholischen Aktion. Übrigens seien an Kirchenvertreter/innen nicht nur ÖVP-Leute wegen solcher Unterstützungen herangetreten.
Kein Vergleich
In der letzten Kirchenzeitung haben wir die klare SPÖ-Deklarierung von Betriebsseelsorger Hans Gruber (in einem Bericht 1981 in der Kirchenzeitung) mit den kritisierten ÖVP-Unterstützungserklärungen verglichen. Dagegen wehrt sich Gruber vehement. „Die angeführten Personen haben eine Wahlempfehlung abgegeben. Ich habe damals – weit entfernt von einer Wahl – gesagt, was ich gewählt habe.“ Jene Menschen, die den Kulturkampf der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts erlitten haben, lebten ja noch. „Diese Generation ist empfindsam und regt sich mit Recht auf. Aus diesem Grund bin ich, weil ich Priester bin, nie einer Partei beigetreten und habe nie eine Wahlempfehlung abgegeben.“
Was soll’s bewirken?
Warum strengen sich Parteien überhaupt an, prominente Persönlichkeiten für Unterstützungs-Inserate zu bekommen? – „Bindungen werden schwächer“, sagt Klubobmann Dr. Josef Stockinger von der ÖVP. Ein Personenkomitee ist eine Möglichkeit zu zeigen, dass es sich um eine unterstützungswerte Persönlichkeit handelt. Unentschlossene sollen angesprochen werden. „Die Wirkung ist umso stärker, je weniger sie als einseitig empfunden bzw. von vornherein erwartet wird, betont Mag. Strugl.
Ihre Meinung
Schadet es der Kirche, wenn sich prominente Vertreter für eine Partei einsetzen? JA: 0732/77 45 27-30NEIN: 0732/77 45 27-40