Es gibt in Österreich wieder Jugendliche, die auf der Straße leben. Das Verständnis für schwierige Jugendliche sinkt, alarmieren Fachleute.
Mehr Aufmerksamkeit für „schwierige“ und „gestrandete“ Jugendliche forderten Experten bei einem Impulstag auf dem Donaudampfschiff Schönbrunn am Freitag der Vorwoche. Anlass für den Impulstag: Die „ARGE Noah“ feierte 20 Jahre ihres Bestehens. Die Einrichtung der Diakonie Österreich am Zentrum Spattstraße in Linz bietet seit 20 Jahren Jugendlichen die oft letzte Chance, im Leben doch noch Fuß zu fassen. Zwei Jugendwohngemeinschaften in Kronstorf und Strengberg sowie das „Therapieschiff“ Noah stehen dafür zur Verfügung. Auf dem Segelschiff Noah lernen Jugendliche bei Segelfahrten durch das Mittelmeer, Verantwortung zu übernehmen – mit erstaunlichen Erfolgen.
Die intensiven Erfahrungen dabei, das Aufeinander-angewiesen-Sein, lassen Jugendliche Fuß fassen im Leben. Viele, die bei „ARGE Noah“ an Bord waren, waren am Samstag, 4. Oktober auch auf der Schönbrunn mit an Bord, als das Jubiläum gefeiert wurde. „Alle, die bei diesen Projekten dabei waren, haben davon profitiert“, erzählt Noah-Leiter Herbert Siegrist.
Viele Erwachsene bringen kein Verständnis auf, „dass Jugendliche sich völlig normal benehmen, wenn sie sich daneben benehmen“, meint Siegrist. „Die Stimmung gegen die Jugend wächst“, meint etwa der Linzer Jugendpsychologe Primarius Dr. Werner Gerstl.
Verständnis von der Öffentlichkeit einerseits, aber auch genügend finanzielle Mittel fordern die Experten. „Billigen“ Therapieformen würde heute vermehrt der Vorzug eingeräumt, bedauert Siegrist. Die Folge: Greifen sie nicht, landen Jugendliche auf der Straße. Beim Studientag stand die Forderung nach einer Clearingstelle im Zentrum. Eine solche Stelle sollte von der Jugendwohlfahrt und von sozialpädagogischen Einrichtungen unabhängig sein und Jugendlichen helfen, ihre Chancen zu verbessern.