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Kein kleiner Unterschied

Geschlechterforschung ist ein Schwerpunkt an der Universität Linz
Ausgabe: 2003/49, Geschlechterforschung, Universität, Einkommen, Gender Mainstreaming, Frauenforschung, Hauch,
02.12.2003
- Heinz Niederleitner
Seit 2001 gibt es an der Universität Linz das Institut für Frauen- und Geschlechterforschung. Damit deckt die Universität ein Forschungsgebiet mit Zukunft ab.

Student/innen der Wirtschaftswissenschaften müssen in Linz eine Vorlesung zur Frauen- und Geschlechterforschung besuchen: „Die Vorlesung ist die Herausforderung meiner Lehrtätigkeit“, sagt Univ.-Prof.in Dr.in Gabriella Hauch, „die Hälfte der Studierenden würde da nicht sitzen, wenn sie nicht müsste. Ich versuche, sie davon zu überzeugen, dass das, was sie lernen, für sie, für ihr Leben und für ihren Job gut und wichtig ist.“

Gabriella Hauch ist Historikerin und hat in der Historikerkommission der VOEST mitgearbeitet. Sie hat die Situation der Zwangsarbeiterinnen während des NS-Regimes erforscht. Hier zeigt sich, dass es Sinn macht, zwischen Männern und Frauen als Opfer (und als Täter/innen) zu unterscheiden: Zwangsabtreibungen sind ein Terrorakt, den nur Frauen erleiden können. Ein anderes historisches Beispiel sind die so genannten „geschorenen Frauen“: die Ächtung von Frauen durch das Abscheren des Haares. Bekannt sind solche Vorgänge vor allem aus Frankreich, wo am Ende des Zweiten Weltkrieges Frauen geächtet wurden, die eine Beziehung zu einem deutschen Soldaten oder kollaboriert hatten. Mag.a Martina Gugglberger, eine Mitarbeiterin Hauchs, hat darüber ihre Diplomarbeit geschrieben.

Vorherrschaft der Männer

Die Frauen- und Geschlechterforschung kommt aus der feministischen Bewegung und steht damit in einer politischen Tradition: Anfangs ging es vor allem darum, die Vorherrschaft der Männer an den Universitäten infrage zu stellen, erklärt Gabriella Hauch. Die Historikerin ist Vorständin des Instituts für Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Linz. Wofür früher gekämpft wurde, wird jetzt erforscht. „Die Entwicklung hin zur Frauen- und Geschlechterforschung (Gender Studies) ist eine Spezifizierung dessen, was die Frauenforschung wollte. Um offensiv die Aufmerksamkeit auf beide Geschlechter und ihre Beziehungen zueinander zu lenken, ist man dazu übergegangen, das Fach Frauen- und Geschlechterforschung zu nennen“, erläutert die Institutsvorständin.

Das Fach ist interdisziplinär, d. h., dass sich Forscher/innen verschiedener Fächer mit den Unterschieden und Beziehungen zwischen Männern und Frauen und den Auswirkungen in Wissenschaft und Gesellschaft beschäftigen. Für die Historikerin Hauch bedeutet das: „Sie können keine Geschichte über Frauen schreiben, ohne Männer mit zu thematisieren und umgekehrt. Durch den geschlechtsspezifischen Ansatz wird klar, was es heißt, als Mann oder Frau definiert zu werden und welche Rolle die Geschlechter in der Gesellschaft spielen.“

Gabriella Hauch beschäftigt sich vor allem mit der Situation der Frauen in Oberösterreich. „Im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesländern ist Oberösterreich in historischer Hinsicht ein ziemlich unbeackertes Feld.“ Ein Band über „Frauen in Oberdonau“ ist in Vorbereitung, ein anderes Projekt wird sich in den nächsten Jahren mit Frauen in Linz im 20. Jahrhundert beschäftigen.

Frauenforschung in Linz

Der zentrale Teil von Hauchs Arbeit liegt im Aufbau des Instituts für Frauen- und Geschlechterforschung an der Uni Linz. Es besteht zwar seit 2001, doch wurde erst jetzt eine eigene ordentliche Professur eingerichtet. Das Institut ist keiner Fakultät (Teilbereich einer Universität) zugeordnet: „Die Johannes- Kepler-Universität hat in einer Strategie festgeschrieben, dass Geschlechterforschung ein gesamtuniversitärer Aufbauschwerpunkt sind. An jeder Fakultät soll es einen geschlechtsspezifischen Schwerpunkt geben“, sagt Hauch.

Für die fernere Zukunft hat Gabriella Hauch zwei Wünsche: zum einen, dass diese Schwerpunkte an allen Fakultäten eingerichtet sind. Der andere Wunsch: „Dass wir das Gender Mainstreaming auch in der Personalpolitik des Institutes durchsetzen und beginnen, Männer einzustellen. Solange Akademikerinnen an der Universität in der Minderheit sind, kann ich derzeit keinen Mann einstellen. Aber ich bin für eine Durchmischung der Geschlechter.“




Zur Sache


Was heißt ...

... Gender Mainstreaming? Es bedeutet, Entscheidungen darauf zu prüfen, welche Auswirkungen sie auf Frauen und Männer haben.

Einkommen

Für das Jahr 2001 hat die Statistik Austria errechnet, dass Vollzeitarbeiterinnen über 30 Prozent weniger als ihre Kollegen verdienen. Bei angestellten Frauen sind es sogar fast 40 Prozent weniger. Selbst im öffentlichen Dienst liegt das Fraueneinkommen 11 Prozent unter jenem der Männer.

Tipp

Dass Frauen eine oft unterschätzte Rolle in der Geistesgeschichte gespielt haben, zeigt bis 18. Dezember die Ausstellung „Philosophinnen – Liebhaberinnen der Weisheit“ in der Landesbibliothek, 4020 Linz, Schillerplatz 2. Die Publizistin Annegret Stopczyk hat die Schau gestaltet.
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